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Von Mary De LucaStand
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Der rituelle Drehtanz der Sufis fasziniert durch seine meditative Kraft. Erfahre, wie die hypnotischen Rhythmen der Sema-Zeremonie Körper und Geist in Einklang bringen und welche Technik hinter den scheinbar endlosen Drehungen steckt.
Sema bezeichnet die traditionelle, spirituelle Zeremonie der Sufis, bei der Musik, Gesang und der rituelle Drehtanz der Derwische zu einer meditativen Einheit verschmelzen.
Der rituelle Tanz der Derwische, bekannt als Sema, ist weit mehr als eine Abfolge von Drehungen. Er ist ein physisches Gebet, das im 13. Jahrhundert durch den Mystiker Jalaluddin Rumi geprägt wurde. Im Zentrum steht der Versuch, durch die repetitive Bewegung das eigene Ego zu überwinden und eine spirituelle Einheit mit dem Göttlichen zu erfahren. Anders als bei modernen Show-Drehtänzen geht es hier nicht um Ästhetik oder die Unterhaltung eines Publikums. Jede Geste im Sufismus Tanz rituell besitzt eine tiefe symbolische Bedeutung. Das Ablegen des dunklen Mantels zu Beginn symbolisiert das Abstreifen der weltlichen Lasten, während der hohe Filzhut den Grabstein des Egos darstellt.
Während des Drehens strecken die Derwische die Arme weit aus. Die rechte Handfläche ist nach oben zum Himmel geöffnet, um die göttliche Gnade zu empfangen. Die linke Handfläche zeigt nach unten zur Erde, um diese Energie an die Menschheit weiterzugeben. Der Tänzer selbst fungiert dabei lediglich als Kanal. Diese präzise Haltung erfordert eine tiefe körperliche Zentrierung, die nur durch jahrelange spirituelle und physische Vorbereitung erreicht werden kann.

Die musikalische Begleitung einer Sema-Zeremonie folgt einer strengen, jahrhundertealten Struktur, die den Puls des Tänzers lenkt. Die Sufi Musik Drehtanz Rhythmus basiert auf traditionellen nahöstlichen Zyklen, den sogenannten Usul. Zwei Instrumente tragen die Zeremonie maßgeblich. Die Ney, eine endgeblasene Rohrflöte, symbolisiert den göttlichen Atem und klagt sehnsüchtig nach der Trennung von der Quelle. Ihr warmer, leicht rauchiger Klang erzeugt sofort eine meditative Atmosphäre. Den rhythmischen Rahmen spannt die Kudüm, ein kleines Doppelpauken-Paar, das mit Holzschlägeln bespielt wird.
Die Zeremonie beginnt mit einem langsamen, fast schwebenden Rhythmus. Die Schläge der Kudüm sind spärlich gesetzt und lassen viel Raum für die Melodie der Ney. Mit fortschreitender Dauer verdichtet sich die Derwisch Tanzmusik. Die Trommelschläge werden regelmäßiger und treibender, behalten jedoch stets ihre hypnotische Ruhe. Dieser langsame Übergang von Stille zu einem kontinuierlichen Puls hilft dem Tänzer, das Alltagsbewusstsein hinter sich zu lassen und in einen Zustand der Trance überzugehen, ohne die Kontrolle über den Körper zu verlieren.
Richtig
Falsch
Das Drehen ist keine körperliche Leistung, sondern das Loslassen des Verstandes, um dem unendlichen Rhythmus des Universums Raum zu geben.
Wer versucht, sich minutenlang um die eigene Achse zu drehen, scheitert meist schnell an Schwindel und Orientierungslosigkeit. Die Derwische nutzen eine spezielle Technik, die auf physiologischen Prinzipien beruht. Der wichtigste Unterschied zu westlichen Drehtechniken, wie man sie aus dem Ballett kennt, ist der Fokus der Augen. Statt einen Punkt im Raum zu fixieren (Spotting), bleibt der Blick weich und unkonzentriert. Die Augen sind leicht geöffnet, richten sich aber nach innen oder sind auf den Daumen der linken Hand gerichtet, die sich mitdreht.
Der linke Fuß bleibt als feste Verankerung auf dem Boden und dreht sich auf dem Ballen, während der rechte Fuß den Schwung für die Drehung liefert. Der Kopf wird leicht zur linken Schulter geneigt, was den Gleichgewichtssinn im Innenohr stabilisiert. Durch diese Kombination aus weichem Blick und fester Achse entsteht das Gefühl, dass sich die Welt um den Tänzer herumdreht, während er selbst in absoluter Ruhe verweilt. Diese Fähigkeit lässt sich auch auf andere Tanzstile übertragen, bei denen Balance gefragt ist. Wer seine eigene Mitte sucht, kann durch diese Prinzipien sein Rhythmusgefühl testen und die eigene Körperbeherrschung auf ein neues Level heben.
Die spirituelle Praxis der Derwische
Der rituelle Sema-Tanz dient ausschließlich der spirituellen Einkehr und der Verbindung mit dem Göttlichen. Jede Bewegung und jedes Kleidungsstück hat eine feste symbolische Bedeutung, die seit Jahrhunderten unverändert gepflegt wird.
Akrobatik und visuelle Effekte
Moderne Show-Drehtänze nutzen die Ästhetik der wirbelnden Röcke für visuelle Effekte auf Theaterbühnen. Hier stehen artistische Leistung, Geschwindigkeit und die Unterhaltung des Publikums im Vordergrund.
Nein, die Derwische nutzen eine spezielle Technik, um Schwindel zu vermeiden. Sie fixieren keinen Punkt im Raum, sondern halten den Blick weich und unkonzentriert, während der Kopf leicht zur Schulter geneigt wird, was das Innenohr stabilisiert.
Eine klassische Sema-Zeremonie dauert in der Regel etwa 45 bis 60 Minuten. Sie ist in vier Abschnitte, die sogenannten Selams, unterteilt, die jeweils eine andere Phase der spirituellen Annäherung an das Göttliche darstellen.
Die traditionelle Musik basiert auf der Ney-Flöte, den Kudüm-Doppelpauken und oft einer Rahmentrommel (Def). Manchmal kommen auch Saiteninstrumente wie die Oud oder das Kanun hinzu, um die Melodielinien zu unterstützen. Weitere Details zu diesen Instrumenten findest du im Ratgeber über <a href="/tanz-ratgeber/tanzmusik/solotanz-und-weltmusik/instrumente-weltmusik-tanz-bedeutung">Instrumente der Weltmusik im Tanz</a>.
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