Die Ankunft der synkopierten Rhythmen im Paris der Goldenen Zwanziger
Der Weg der Samba über den Atlantik war keine plötzliche Sensation, sondern ein jahrzehntelanger, faszinierender Prozess der Transformation. Anfang des 20. Jahrhunderts reisten die ersten brasilianischen Musiker und Künstler nach Paris, dem damaligen Epizentrum der weltweiten Unterhaltungskultur. Sie brachten eine Musik mit, die in ihrer Heimat Rio de Janeiro gerade erst den Weg aus den Favelas in die bürgerlichen Salons gefunden hatte. In Europa stieß dieser völlig neuartige Rhythmus auf eine Gesellschaft, die nach dem Ersten Weltkrieg hungrig nach Ablenkung, Exotik und neuen Ausdrucksformen war.
Die europäische Öffentlichkeit war fasziniert und zugleich irritiert von den polyrhythmischen Strukturen. Um den Tanz für das europäische Publikum tanzbar zu machen, passten Tanzlehrer in Frankreich und England die Bewegungen stark an die hiesigen Sehgewohnheiten an. Der wilde, erdige Charakter der ursprünglichen Bewegungen wurde gezähmt. Dennoch blieb der Kern lebendig: Die Samba brachte eine völlig neue Lebensfreude und eine rhythmische Flexibilität in die europäischen Tanzsäle, die es in dieser Form im klassischen Walzer oder Foxtrott nicht gegeben hatte. Die Samba Geschichte und Ursprung zeigt, wie tief diese Wurzeln reichen, doch in Europa entstand daraus ein ganz eigenes, neues Kapitel.




