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Bühnenkunst5 Minuten

Zeitgenössischer Tanz in Freiburg im Breisgau und die freie Szene

Von Mary De LucaStand

Kurz gesagt
  • Zur freien professionellen Tanzszene in Freiburg im Breisgau gehören die dokumentierten Verbindungen zwischen Tanznetz und E-Werk.
  • Das Tanznetz verband künstlerische Unterstützung mit Aufführungsformaten; das E-Werk war Kooperationspartner und bot Spielstätten.
  • tanzwuchs zeigte ab 2018 Kurzstücke junger Tanzschaffender im SÜDUFER des E-Werks.
  • Diese Zusammenhänge erklären die Szene, ohne einen heutigen Spielplan oder kommende Termine zu bestätigen.

Kurze Stücke, neue Perspektiven

Auf udansa findest du Tanzveranstaltungen in Freiburg im Breisgau. So kannst du nach einem Bühnenabend suchen, an dem unterschiedliche Bewegungssprachen zu sehen sind.

Kurze Stücke, neue Perspektiven

Du kannst einen Tanzabend aufmerksam verfolgen, ohne jede Bewegung übersetzen zu können. Gerade kurze Stücke lassen dich erleben, wie aus einem Blick, einer Pause oder einem veränderten Abstand eine eigene Bühnensituation entsteht.

DefinitionFreie professionelle Tanzszene

Freie professionelle Tanzszene bezeichnet beruflich arbeitende Tanzschaffende und Ensembles, die außerhalb eines festen Theaterensembles eigene Produktionen entwickeln. Sie können dafür mit Kulturhäusern und Netzwerken zusammenarbeiten.

E-Werk und Tanznetz erfüllten verschiedene Aufgaben

Wenn du zeitgenössischen Tanz in Freiburg im Breisgau einordnen möchtest, hilft die Unterscheidung zwischen einem Ort und einer Arbeitsstruktur. Das E-Werk Freiburg war als Kulturzentrum mit Tanz, Theater, Musik und bildender Kunst ein Kooperationspartner des Tanznetz Freiburg. Das Netzwerk bündelte Unterstützung für freie professionelle Tanzschaffende und organisierte eigene Aufführungsformate. Beide Namen bezeichnen damit unterschiedliche Aufgaben innerhalb derselben künstlerischen Zusammenarbeit.

Beim Aufbau des Tanznetzes wirkten eine gemeinnützige Trägergesellschaft sowie Fördermittel von Stadt und Bund über TANZPAKT Stadt-Land-Bund zusammen. Künstlerische Arbeit bestand hier also nicht nur aus dem sichtbaren Auftritt: Auch Zeit zum Entwickeln und Erproben gehörte zur unterstützten Arbeit. Das erklärt, weshalb ein Netzwerk und eine Spielstätte gemeinsam wichtig sein können, ohne dass sie dasselbe anbieten.

Das E-Werk bot den räumlichen Bezug, das Tanznetz verband Arbeitsmöglichkeiten mit öffentlicher Präsentation. Für dich als Zuschauer ist diese Unterscheidung hilfreich: Ein Hausname sagt, wo etwas gezeigt wurde; der Zusammenhang einer Produktion erklärt, unter welchen Bedingungen Tanzschaffende ihr Stück entwickeln konnten. Daraus lässt sich noch kein aktuelles Veranstaltungsangebot ableiten.

Dein Sitzplatz beeinflusst, ob du räumliche Muster oder kleine Gesten besonders deutlich wahrnimmst.
Dein Sitzplatz beeinflusst, ob du räumliche Muster oder kleine Gesten besonders deutlich wahrnimmst.

tanzwuchs gab kurzen Arbeiten einen Bühnenrahmen

tanzwuchs machte die Verbindung zwischen Entwicklung und Aufführung konkret. Ab 2018 zeigte das Format des Tanznetz Freiburg Kurzstücke junger Choreografinnen, Choreografen und weiterer Tanzschaffender aus der freien professionellen Szene. In der beschriebenen Form entstanden die Arbeiten während einer dreiwöchigen Arbeitsphase und wurden an zwei bis drei Abenden im SÜDUFER, einer Spielstätte des E-Werks, präsentiert. Das sind Merkmale dieses Formats, keine Ankündigung seiner nächsten Ausgabe.

Ein Kurzstück setzt einen engeren Rahmen als ein abendfüllendes Werk. Es kann beispielsweise einen Bewegungsimpuls verfolgen, eine Begegnung verdichten oder eine räumliche Anordnung verändern. Diese Möglichkeiten erklären das Format allgemein; sie sind keine Behauptung über einzelne tanzwuchs-Produktionen. Die kurze Dauer sagt für sich genommen weder etwas über die Schwierigkeit noch über die künstlerische Qualität.

Wenn mehrere kurze Arbeiten zusammenkommen, begegnen dir möglicherweise sehr unterschiedliche Handschriften. Ein Stück arbeitet mit Zurückhaltung, ein anderes mit deutlichen Kontrasten. Ähnlich wichtig ist die Unterscheidung zwischen Paartanz und Show: Eine Bühnenarbeit ist für Wahrnehmung gestaltet und muss keine Tanzsituation zum Mitmachen abbilden.

Woran du die Gestaltung eines Stücks erkennst

So ja

  • Eine wiederkehrende Bewegung mit ihrer ersten Fassung vergleichen
  • Stille als Teil der Bühnensituation wahrnehmen
  • Auch Abstand und Blickrichtung der Tanzenden beobachten

So nicht

  • Jede Wiederholung als versehentliches Doppeln abtun
  • Stille automatisch für einen technischen Fehler halten
  • Nur Sprünge und große Bewegungen als Tanz beachten

Eine Bewegung muss nichts Bestimmtes bedeuten, damit du ihre Wirkung auf der Bühne wahrnehmen kannst.

udansa-Redaktion

Zeitgenössische Bewegung braucht keine eindeutige Übersetzung

Auf einer zeitgenössischen Tanzbühne kann ein alltägliches Gehen neben einer anspruchsvollen Bodenbewegung stehen. Entscheidend für die Wirkung ist häufig ihre Anordnung: Wer beginnt, wer wartet, welche Richtung wird eingeschlagen? Ein Körper kann Nähe anbieten und sich zugleich zurückziehen. Du darfst darin eine Beziehung erkennen, ohne daraus eine verbindliche Geschichte für alle Zuschauer machen zu müssen.

Ein häufiges Missverständnis entsteht, wenn frei mit beliebig gleichgesetzt wird. Auch improvisierte Bewegung kann durch Aufgaben, räumliche Grenzen oder Absprachen strukturiert sein. Umgekehrt ist nicht alles, was spontan aussieht, tatsächlich im Moment erfunden. Eine präzise festgelegte Folge kann bewusst zögernd wirken. Von deinem Sitzplatz aus siehst du das Ergebnis, nicht automatisch die Arbeitsmethode.

Auch Kostüm und Licht können die Wahrnehmung verändern. Wie eine sichtbare Veränderung einen dramaturgischen Einschnitt setzt, erklärt der Beitrag über Kostümwechsel als Verwandlung im Showtanz. Zeitgenössische Stücke müssen solche Mittel nicht einsetzen. Du kannst stattdessen auf die Beziehung zwischen Bewegung, Raum und Zeit achten und dabei durchaus zu einer anderen Lesart kommen als die Person neben dir.

Zwei Arten, einen Tanzabend wahrzunehmen

Körper

Du folgst der körperlichen Wirkung

Gewicht, Atem und Spannung geben Orientierung

Ein abruptes Stoppen oder langsames Absinken kann dich unmittelbar ansprechen. Du beobachtest, wie viel Kraft eine Bewegung braucht und wie sich die Körper zueinander verhalten. Dafür musst du keine Handlung erkennen.

Form

Du folgst dem Aufbau des Stücks

Wiederholung und Veränderung werden sichtbar

Du achtest darauf, welche Elemente zurückkehren und was sich dabei verschiebt. Eine Geste kann erst allein, später im Duett erscheinen. So entsteht für dich Zusammenhang durch die Anordnung, auch ohne eine erzählte Geschichte.

Häufige Fragen

  1. Du brauchst kein tänzerisches Vorwissen, um einen zeitgenössischen Tanzabend zu verfolgen. Sichtbare Veränderungen wie Nähe, Tempo oder Spannung bieten einen unmittelbaren Zugang. Fachbegriffe können später beim Beschreiben helfen, sind aber keine Voraussetzung für deine Wahrnehmung.