Beobachtung und Deutung sind zwei verschiedene Dinge
Wenn Du in Karlsruhe Tanz anschaust, hilft eine einfache Trennung: Beschreibe zuerst, was passiert, und erst danach, was es für Dich bedeutet. „Eine Person streckt die Hand aus, die andere weicht zurück“ ist eine Beobachtung. „Die beiden vertrauen einander nicht“ ist bereits eine Deutung. Diese kann passen, doch eine spätere Szene könnte sie verändern. So bleibst Du für den Verlauf des Stücks offen.
Ein Bewegungsmotiv ist eine erkennbare Bewegung oder kurze Folge, die wiederkehrt. Das kann ein gekippter Kopf, ein Fallen oder ein gemeinsamer Weg sein. Seine Bedeutung entsteht möglicherweise erst durch Unterschiede: Wer führt es aus, wie schnell, mit wem und an welcher Stelle im Raum? Wie Bewegung Gefühle vermitteln kann, erläutert auch der Ratgeber zum Ausdruck von Gefühlen durch Tanzen. Ein bestimmtes Gefühl lässt sich daraus aber nicht automatisch ablesen.
Auch Musik liefert keine feste Übersetzung. Schneller Klang muss nicht hektischen Tanz auslösen, wie die Unterscheidung zwischen Musiktempo und tänzerischer Schwierigkeit verdeutlicht. In Karlsruhe verband „Dance & Dialogues“ 2021 kurze Stücke und Improvisationen mit Publikumsgesprächen. Für Deinen eigenen Blick ist dieser Austausch ein brauchbares Vorbild: Wahrnehmungen nebeneinanderstellen, ohne daraus eine Musterlösung zu machen.


