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Tanzgeschichte6 Minuten

Schembartbücher in Nürnberg: Was die Bilder wirklich belegen

Von Bernhard De LucaStand

Kurz gesagt
  • Für die Stadtbibliothek Nürnberg ist ein Bestand von zwölf reich illustrierten Schembartbüchern dokumentiert.
  • Die Schembartbücher dokumentieren historische Läufe, liefern aber durch ihre Bilder allein keine vollständige Tanzanleitung.
  • Du trennst beim Lesen sichtbare Bildmerkmale, Aussagen begleitender Texte und deine eigenen Vermutungen.
  • Eine dargestellte Fußstellung belegt ohne zusätzliche Bewegungsbeschreibung weder Schrittfolge noch Rhythmus oder Gewichtswechsel.

Ein angehobener Fuß verleitet schnell dazu, im Kopf eine ganze Bewegung abzuspielen. Gerade wenn du selbst tanzt, ergänzt deine Erfahrung dabei vieles, was auf dem Blatt gar nicht steht.

Das brauchst du für die Bildlektüre

  • Eine lesbare Abbildung einer Schembartbuchseite
  • Die zugehörigen Angaben zu Buch und Blatt, soweit vorhanden
  • Begleitender Text zur Abbildung, soweit vorhanden
  • Papier oder Notizdatei für dein Leseprotokoll
  • Eine vergrößerbare Ansicht für kleine Bilddetails

Die zwölf Bücher sind ein Bestand, keine Schrittfolge

Für Nürnberg ist ein Bestand von zwölf reich illustrierten Schembartbüchern in der Stadtbibliothek dokumentiert. Die Bücher dokumentieren die Schembartläufe, die für den Zeitraum von 1449 bis 1539 belegt sind. Diese Angaben geben deiner Lektüre einen festen Ausgangspunkt: Du betrachtest Quellen zu historischen Läufen. Sie sagen noch nichts darüber, ob eine bestimmte Abbildung eine Tanzbewegung erklärt.

Die Zahl der Bücher ist nicht die Zahl unabhängiger Belege für eine Bewegung. Ohne Angaben zur Entstehung und zum Verhältnis der Bücher untereinander kannst du ähnliche Bilder nicht einfach als mehrfach bestätigte Augenzeugenberichte zählen. Ebenso ist ein Datum, das einen dargestellten Lauf bezeichnet, nicht automatisch das Entstehungsdatum des Blattes. Halte Ereignis, Darstellung und spätere Erläuterung auseinander.

Das wird praktisch, sobald du eine Figur mit angewinkeltem Bein siehst: „Das Knie ist gebeugt“ beschreibt die Darstellung. „Die Person setzt zum Sprung an“ ergänzt bereits einen zeitlichen Ablauf. Anders als eine heutige Schrittanleitung zum Boarischer nennt ein einzelnes Bild nicht automatisch Reihenfolge und Wiederholung. Auch das Zusammenspiel von Armen und Beinen lässt sich nicht aus zwei gleichzeitig sichtbaren Körperstellungen ableiten. Du untersuchst hier die Aussagekraft der Bücher, nicht die vollständige Geschichte des Laufs oder eine Rekonstruktion des Metzgertanzes.

Eine genaue Fundstelle macht deine Beobachtung für andere nachvollziehbar, auch wenn deine Deutung später geändert wird.
Eine genaue Fundstelle macht deine Beobachtung für andere nachvollziehbar, auch wenn deine Deutung später geändert wird.

So legst du ein belastbares Leseprotokoll an

  1. Die Abbildung eindeutig festhalten

    Notiere die vorhandene Buchbezeichnung, Blattangabe und Herkunft der Abbildung. Fehlt eine Angabe, schreibe „nicht angegeben“, statt sie zu ergänzen; damit bleibt erkennbar, welche konkrete Darstellung du ausgewertet hast und wo ihre Zuordnung unsicher ist.

  2. Die eigene Frage eng formulieren

    Wähle eine beantwortbare Frage, etwa: „Sind zwischen den dargestellten Personen Verbindungen sichtbar?“ Vermeide „Wie wurde damals getanzt?“ als Ausgangsfrage; sie verlangt einen Bewegungsablauf, den ein einzelnes Blatt möglicherweise gar nicht beschreibt.

  3. Das Sichtbare ohne Bewegung beschreiben

    Erfasse Körperstellungen, Kleidung, Gegenstände und die Anordnung der Figuren, soweit du sie tatsächlich erkennen kannst. Schreibe beispielsweise „ein Fuß ist höher dargestellt als der andere“, nicht „die Person hüpft“; dein Satz soll ohne gedankliches Abspielen einer Bewegung stimmen.

  4. Bildtext und Erläuterung zuordnen

    Halte getrennt fest, was auf dem Blatt steht und was eine begleitende Beschreibung behauptet. Übernimm unlesbare Wörter nicht aus Vermutung; kennzeichne außerdem, ob eine Deutung aus dem historischen Text oder aus einer späteren Erläuterung stammt.

  5. Deutungen an konkrete Belege binden

    Schreibe neben jede Deutung, welches Bilddetail oder welche Textstelle sie trägt. Formuliere überlieferte Erklärungen als solche: Aus „der Text deutet die Szene als …“ darf nicht stillschweigend „so geschah es“ werden.

  6. Die fehlenden Bewegungsdaten benennen

    Notiere für eine mögliche Tanzbewegung ausdrücklich, ob Schrittfolge, Gewichtswechsel, Dauer und Rhythmus beschrieben sind. Ein sichtbarer Fuß verrät nicht automatisch das Standbein; fehlt der zeitliche Zusammenhang, bleibt die Bewegung offen, auch wenn dir eine plausible Ausführung einfällt.

  7. Ein begrenztes Ergebnis schreiben

    Beende dein Protokoll mit drei kurzen Aussagen: „Dargestellt ist …“, „Der zugehörige Text sagt …“ und „Nicht belegt ist …“. So kann jemand deine Beobachtung übernehmen, ohne zugleich deine Vermutung für eine historische Tatsache zu halten.

Aussagen passend zum Beleg formulieren

So ja

  • „Die Figuren sind hintereinander angeordnet“ schreiben
  • Eine Datumsangabe zunächst dem bezeichneten Ereignis zuordnen
  • Ähnliche Abbildungen mit getrennter Fundstelle erfassen
  • Eine unlesbare Textstelle als unlesbar kennzeichnen

So nicht

  • Aus der Anordnung sofort eine feste Laufroute ableiten
  • Das Ereignisdatum ungeprüft zum Entstehungsdatum erklären
  • Ähnliche Abbildungen als unabhängige Bestätigung zählen
  • Den fehlenden Wortlaut nach eigener Erwartung ergänzen

Deine Auswertung nach Arbeitsphasen abhaken

Vor der Betrachtung

Zuordnung

Nach der Beschreibung

Trennung

Vor dem Weitergeben

Ergebnis

Häufige Fragen

  1. Aus der dokumentierten Bestandszahl lässt sich nicht ableiten, dass alle zwölf Bücher gleich sind. Sie beschreibt den Umfang des Bestands, nicht Übereinstimmungen bei Bildern, Texten oder Entstehung. Für deine Auswertung behandelst du jedes betrachtete Blatt zunächst als eigene Quelle und behauptest keine Verwandtschaft, die nicht belegt ist.

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