Die zwölf Bücher sind ein Bestand, keine Schrittfolge
Für Nürnberg ist ein Bestand von zwölf reich illustrierten Schembartbüchern in der Stadtbibliothek dokumentiert. Die Bücher dokumentieren die Schembartläufe, die für den Zeitraum von 1449 bis 1539 belegt sind. Diese Angaben geben deiner Lektüre einen festen Ausgangspunkt: Du betrachtest Quellen zu historischen Läufen. Sie sagen noch nichts darüber, ob eine bestimmte Abbildung eine Tanzbewegung erklärt.
Die Zahl der Bücher ist nicht die Zahl unabhängiger Belege für eine Bewegung. Ohne Angaben zur Entstehung und zum Verhältnis der Bücher untereinander kannst du ähnliche Bilder nicht einfach als mehrfach bestätigte Augenzeugenberichte zählen. Ebenso ist ein Datum, das einen dargestellten Lauf bezeichnet, nicht automatisch das Entstehungsdatum des Blattes. Halte Ereignis, Darstellung und spätere Erläuterung auseinander.
Das wird praktisch, sobald du eine Figur mit angewinkeltem Bein siehst: „Das Knie ist gebeugt“ beschreibt die Darstellung. „Die Person setzt zum Sprung an“ ergänzt bereits einen zeitlichen Ablauf. Anders als eine heutige Schrittanleitung zum Boarischer nennt ein einzelnes Bild nicht automatisch Reihenfolge und Wiederholung. Auch das Zusammenspiel von Armen und Beinen lässt sich nicht aus zwei gleichzeitig sichtbaren Körperstellungen ableiten. Du untersuchst hier die Aussagekraft der Bücher, nicht die vollständige Geschichte des Laufs oder eine Rekonstruktion des Metzgertanzes.


