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Fastnachtsgeschichte5 Minuten

Der Schembartlauf Nürnberg und sein Weg zum Maskenlauf

Von Bernhard De LucaStand

Kurz gesagt
  • Der Schembartlauf in Nürnberg entstand vermutlich aus der maskierten Begleitung des mittelalterlichen Metzgertanzes.
  • Die Begleitung bahnte den Tänzern den Weg durch die Straßen und entwickelte sich zum eigenen Maskenlauf.
  • Der historische Schembartlauf ist für den Zeitraum von 1449 bis 1539 belegt.
  • Die ab 1974 dokumentierte Wiederaufnahme durch die Schembart-Gesellschaft Nürnberg ist keine lückenlos fortgeführte mittelalterliche Praxis.

Wer einer Aufführung Platz schafft, kann selbst zum Blickfang werden. Diese Verschiebung macht die Nürnberger Geschichte interessant: Aus einer Aufgabe am Rand wurde ein Ereignis mit eigener öffentlicher Wirkung.

DefinitionMaskenlauf

Ein Maskenlauf ist ein öffentlicher Zug von Menschen, die mit Masken auftreten und sich gemeinsam durch einen Ort bewegen. Der Begriff bezeichnet ein Veranstaltungsformat, keine bestimmte Schrittfolge.

Die Begleitung hatte zunächst eine konkrete Aufgabe

Die Geschichte des Schembartlaufs beginnt in Nürnberg nicht mit einer eigenständigen Tanznummer, sondern mit einem Weg durch die Straßen. Der Kettentanz der Metzger ist erstmals 1397 bezeugt. Nach der Überlieferung erhielten die Metzger das Privileg zum Fastnachtstanz als Lohn für ihre Treue zum Rat. Das erklärt den besonderen städtischen Zusammenhang, ohne schon den späteren Maskenlauf zu erklären.

Die maskierte Begleitung bahnte dem Tanz den Weg. Stell dir diese Aufgabe räumlich vor: Eine Gruppe braucht einen zusammenhängenden Bewegungsraum, während Menschen zuschauen. Wer vorausgeht und Platz schafft, verbindet das Auftreten der Tänzer mit dem Straßenraum. Die Begleitung ist damit nicht bloß Dekoration, sondern übernimmt eine Funktion für den Ablauf.

Aus dieser Begleitung entstand vermutlich der Schembartlauf. Metzgertanz und Maskenlauf hängen zusammen, sind aber nicht dasselbe. Die Herkunft aus einem gemeinsamen Festzusammenhang macht sie noch nicht zu einer gemeinsamen Tanzform. Gerade diese Unterscheidung hilft dir, die Entwicklung zu verstehen: Eine Tätigkeit, die einen anderen Auftritt ermöglicht, kann später selbst als Auftritt wahrgenommen werden. Die genaue Tanzweise der Metzger ist dafür nicht die entscheidende Frage.

Eine Maske macht aus einer Person eine sichtbare Figur, noch bevor sie sich bewegt.
Eine Maske macht aus einer Person eine sichtbare Figur, noch bevor sie sich bewegt.

Aus dem Freimachen des Weges wurde eigene Sichtbarkeit

Der Schembartlauf ist von 1449 bis 1539 belegt. Für seine Einordnung ist wichtig, was ein öffentlicher Maskenlauf anders macht als eine unauffällige Begleitung: Die Beteiligten sind selbst sichtbar gestaltet und bewegen sich durch den Raum des Publikums. Eine Maske lenkt den Blick auf eine Figur, nicht nur auf die Person, die gerade eine Aufgabe erledigt.

So lässt sich der vermutete Übergang anschaulich verstehen. Wer einem Tanz vorausgeht, wird zuerst gesehen. Wer dabei maskiert auftritt, bietet zugleich etwas zum Anschauen. Aus dem Blick auf diejenigen, die den Weg öffnen, kann Aufmerksamkeit für deren eigenes Auftreten werden. Das ist ein nachvollziehbarer Mechanismus öffentlicher Aufführungen, keine zusätzlich belegte Chronik einzelner Entwicklungsschritte.

Dass die Läufe als eigenes Ereignis festgehalten wurden, zeigen die reich illustrierten Schembartbücher. Zwölf davon besitzt die Stadtbibliothek Nürnberg. Ihre Bedeutung liegt hier in der sichtbaren Erinnerung an die Läufe; die genaue Auswertung der Bilder ist ein anderes Thema.

Für dich ergibt sich daraus ein hilfreicher Blick auf Tanzgeschichte: Nicht jede Bewegung im Umfeld eines Tanzes ist selbst eine Tanzfigur. Auch Reihenfolge, Verkleidung und der Weg durch die Zuschauenden können eine Aufführung prägen. Der Schembartlauf gehört deshalb in die Geschichte öffentlichen Auftretens, ohne als Paartanz erklärt werden zu müssen.

Drei Unterschiede, die beim Zuschauen zählen

So ja

  • Auf das Verhältnis zwischen Begleitung und Tänzern achten
  • Den Weg durch das Publikum als Teil des Auftritts betrachten
  • Die Wiederaufführung als spätere Aufnahme der Tradition einordnen

So nicht

  • Maskenlauf und Metzgertanz als dieselbe Tanzform behandeln
  • Nur eine feste Bühne als Ort einer Aufführung ansehen
  • Eine Wiederaufführung mit ununterbrochener Überlieferung verwechseln

Bei einem historischen Umzug erzählt auch die Reihenfolge der Beteiligten etwas, nicht nur das Kostüm der einzelnen Figur.

Redaktion für Tanzgeschichte

Die Wiederaufnahme verbindet zwei getrennte Zeiten

Die ab 1974 dokumentierte Wiederaufnahme durch die Schembart-Gesellschaft Nürnberg brachte den historischen Lauf erneut zur Aufführung. In den überlieferten Angaben geschah das nicht jedes Jahr; die Läufer zogen dem Nürnberger Fastnachtszug voraus. Diese Position passt zum Motiv des Vorausgehens. Sie beweist aber keine ununterbrochene Weitergabe derselben Praxis seit dem Mittelalter.

Eine Wiederaufnahme ist eine bewusste Beziehung zur Vergangenheit. Menschen greifen ein überliefertes Format auf und führen es in einem späteren Zusammenhang erneut auf. Damit wird Geschichte körperlich und öffentlich erfahrbar. Das unterscheidet sich von einer Tradition, deren Ausübung ohne Unterbrechung von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Beide Begriffe meinen etwas anderes, ohne dass die Wiederaufnahme deshalb weniger ernst zu nehmen wäre.

Für deine Orientierung hilft die Trennung von historischem Vorbild und eigener Teilnahme. Ein Maskenlauf liefert dir nicht automatisch eine Schrittfolge zum Mitmachen. Wie unterschiedlich gemeinsames Tanzen organisiert sein kann, erklärt der Beitrag über Tanzkreis und Folkloreensemble. Auch das Trainingsjahr im Gardetanz beschreibt ein anderes Verhältnis zwischen Vorbereitung und Festauftritt. Diese Formen sind keine Fortsetzungen des Schembartlaufs, sondern eigenständige Wege, Bewegung gemeinsam zu gestalten.

Zwei Zeiten, zwei Formen der Zugehörigkeit

Damals

Teil eines städtischen Festzusammenhangs

Begleitung mit einer Aufgabe im öffentlichen Raum

Der historische Lauf stand in Verbindung mit dem Metzgertanz und der Fastnacht. Seine Einordnung beginnt deshalb beim Zusammenspiel der Beteiligten: Wer tanzt, wer begleitet und wer hält den Weg frei?

Wiederaufnahme

Eine Tradition bewusst aufgreifen

Geschichte durch erneutes Aufführen sichtbar machen

Die spätere Wiederaufführung stellt eine Beziehung zur Vergangenheit her. Ihre Einordnung beginnt bei dieser Entscheidung: Ein überliefertes Ereignis wird erneut aufgeführt und bekommt damit einen Platz in einer anderen Zeit.

Häufige Fragen

  1. Schembartlaufen ist hier als historischer Maskenlauf einzuordnen, nicht als Kursstil mit festem Grundschritt. Seine Nähe zur Tanzgeschichte kommt aus der Begleitung des Metzgertanzes. Wenn du selbst Unterricht suchst, sind die Tanzkurse in Nürnberg ein eigener Zugang zum Tanzen.

Tanzkurse in Nürnberg

Wenn du nach der Stadtgeschichte selbst tanzen möchtest, findest du hier Unterricht in Nürnberg, unabhängig vom historischen Maskenlauf.

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Auf udansa findest du Menschen in Nürnberg, mit denen du gemeinsam einen Tanzkurs besuchen kannst. So bekommt dein Interesse an der Tanzgeschichte einen eigenen Bezug zum heutigen Tanzen.

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