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Tanzkultur5 Minuten

Das Tanzquartier Wien als Haus für Produktion und Performance

Von Bernhard De LucaStand

Kurz gesagt
  • Das Tanzquartier Wien wurde 2001 im MuseumsQuartier als Produktions- und Veranstaltungshaus eröffnet.
  • Es verbindet Räume für künstlerische Arbeit mit Aufführungsorten für zeitgenössischen Tanz und Performance.
  • Halle E+G, drei Studios sowie ein Theorie- und Mediencenter zeigen diese verschiedenen Aufgaben.
  • Damit unterstützt das Haus nicht nur das Zeigen fertiger Arbeiten, sondern auch ihre Entstehung und Einordnung.

Zeitgenössischer Tanz entsteht selten nur auf einer Bühne. Zwischen erster Recherche, körperlicher Arbeit und einer Aufführung braucht er Orte, an denen unterschiedliche Arbeitsweisen nebeneinander Platz haben.

DefinitionProduktionshaus

Ein Produktionshaus stellt Räume und Rahmen für die Entstehung sowie die Präsentation künstlerischer Arbeiten bereit. Bei Tanz und Performance können dazu Proben, technische Vorbereitung, Aufführungen und Recherche gehören.

Das Haus verbindet Entstehung und Öffentlichkeit

Das Tanzquartier Wien eröffnete im Herbst 2001 im MuseumsQuartier in Wien. Es wurde als erstes Produktions- und Veranstaltungshaus Österreichs gegründet, das ausschließlich zeitgenössischem Tanz und Performance gewidmet ist. Diese Bezeichnung beschreibt eine konkrete Aufgabenverteilung: Künstlerische Arbeiten benötigen Zeit und Raum, bevor sie als Aufführung vor Publikum stehen. Ein Haus dieser Art bietet deshalb nicht bloß einen Spielort, sondern ordnet Arbeitsphasen und Öffentlichkeit zusammen.

Für Besucherinnen und Besucher hilft dieser Blick gegen eine verbreitete Verkürzung. Eine Performance ist nicht einfach eine Folge von Schritten, die wie in einem festen Lehrplan gezeigt wird. Sie kann Bewegung, Sprache, Klang, Objekte oder räumliche Anordnungen verbinden. Das Produktionshaus schafft Bedingungen, in denen solche Elemente ausprobiert und später in einer Aufführung zusammengeführt werden können. Wer selbst regelmäßig trainiert, kennt den Abstand zwischen Üben und Vorzeigen, etwa beim Wiedereinstieg ins Tanzen in Wien. Im zeitgenössischen Feld wird dieser Abstand zur künstlerischen Arbeitsweise.

Ein Produktionshaus macht den Weg zur Aufführung sichtbar, ohne ihn auf einen einzigen Raum zu verkürzen.
Ein Produktionshaus macht den Weg zur Aufführung sichtbar, ohne ihn auf einen einzigen Raum zu verkürzen.

Halle, Studios und Bibliothek haben verschiedene Funktionen

Das Tanzquartier im MuseumsQuartier umfasst die Halle E+G und einen Studiokomplex mit drei Studios. Diese Räume erfüllen nicht dieselbe Aufgabe. Eine Halle ist auf die öffentliche Begegnung einer Produktion mit Publikum ausgerichtet. Studios geben dagegen Platz für körperliche Recherche, Wiederholung und Veränderungen, die noch nicht als fertige Aussage erscheinen müssen. Gerade bei Performance kann der Raum selbst Teil der Arbeit werden: Wie nah Menschen sitzen, welche Wege sichtbar bleiben oder wie Klang sich verteilt, verändert die Wahrnehmung.

Hinzu kommt ein Theorie- und Mediencenter mit Bibliothek. Das ist keine dekorative Ergänzung, sondern eine andere Form der Auseinandersetzung mit Tanz. Texte, Aufzeichnungen und Medien erlauben, Begriffe, Arbeitsweisen und Entwicklungen nachzuvollziehen. Körperliches Wissen und Recherche stehen damit nebeneinander. Anders als bei einer festen Einzelstunde ohne Abo geht es hier nicht um ein klar umrissenes persönliches Lernziel, sondern um den Rahmen für professionelle künstlerische Arbeit.

Woran du ein Produktionshaus erkennst

So ja

  • Arbeitsräume und Aufführungsorte gehören zum selben Haus
  • Künstlerische Recherche hat neben der Bühne einen Platz
  • Proben und Präsentation werden als unterschiedliche Aufgaben gedacht
  • Material und Wissen können die praktische Arbeit begleiten

So nicht

  • Nur ein Saal für fertige Vorstellungen steht zur Verfügung
  • Recherche gilt als Nebensache ohne eigenen Ort
  • Eine Probe wird mit einer öffentlichen Aufführung gleichgesetzt
  • Texte und Medien bleiben von der künstlerischen Arbeit getrennt

Eine Aufführung ist oft der sichtbare Teil einer Arbeit, die vorher viele Räume und Entscheidungen durchlaufen hat.

Kuratorin für zeitgenössischen Tanz

Professionelle Arbeit braucht mehr als eine Bühne

Zum beschriebenen Haus gehören auch Training und Workshops für professionelle Tanzschaffende. Das unterstreicht, warum Produktion nicht erst beginnt, wenn eine Bühne gebucht ist. Körperliche Praxis, Austausch und Vorbereitung können die Grundlage dafür bilden, dass eine Idee überhaupt in eine Form kommt. Dabei ist ein Studio kein neutraler Wartesaal für die Premiere. Es ist ein Ort, an dem Tempo, Wiederholung, Nähe und Belastung praktisch verhandelt werden.

Für das Publikum folgt daraus eine hilfreiche Haltung: Eine Aufführung muss keine Handlung im klassischen Sinn liefern, um sorgfältig gearbeitet zu sein. Sie kann Fragen über Körper, Raum oder Aufmerksamkeit stellen und dabei offen bleiben. Das Tanzquartier Wien steht in diesem Zusammenhang für eine Infrastruktur, die lokale und internationale Produktionen sichtbar machen kann. Wer anschließend selbst einen Einstieg sucht, findet über udansa auch Tanzkurse in Wien ohne feste Begleitung. Das ist jedoch ein anderer Weg als die professionelle Produktionsarbeit des Hauses.

Zwei Aufgaben unter einem Dach

Produktion

Arbeit darf unfertig sein

Studios schaffen Raum für Versuche

In der Produktion werden Bewegungen erprobt, verworfen und verändert. Der Wert eines Studios liegt gerade darin, dass nicht jede Entscheidung sofort vor Publikum bestehen muss.

Veranstaltung

Arbeit wird öffentlich

Die Aufführung setzt einen anderen Rahmen

Eine Performance versammelt Publikum, Raum, Licht und Zeit zu einer gemeinsamen Situation. Sie zeigt eine künstlerische Arbeit, ohne den ganzen Prozess davor ersetzen zu müssen.

Häufige Fragen

  1. Das Tanzquartier Wien ist ein Produktions- und Veranstaltungshaus für zeitgenössischen Tanz und Performance im MuseumsQuartier. Es wurde im Herbst 2001 eröffnet und war das erste Haus Österreichs, das ausschließlich diesem Feld gewidmet ist.

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