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Bühnenarbeit5 Minuten

Tanzhaus Zürich: Wie ein Produktionshaus Tanz entstehen lässt

Von Mary De LucaStand

Kurz gesagt
  • Das Tanzhaus Zürich wurde 1996 als Tanzhaus Wasserwerk gegründet und entwickelte ein Profil als Produktionshaus.
  • Ein Produktionshaus unterstützt die Entstehung von Choreografien, nicht nur die Präsentation fertiger Stücke.
  • Residenzen geben Raum für künstlerische Recherche; Koproduktionen teilen die Verantwortung für eine Produktion.
  • Anders als eine Tanzschule richtet ein Produktionshaus seine Arbeit auf künstlerische Projekte statt auf Lernfortschritte aus.

Auf der Bühne siehst du Entscheidungen, deren Alternativen meist unsichtbar bleiben. Wenn du in Zürich Tanz anschaust, hilft dir der Blick auf diese Vorarbeit: Auch verworfene Bewegungen und ergebnisoffene Proben gehören zur Entstehung eines Stücks.

DefinitionResidenz

Eine Residenz ist ein zeitlich begrenzter Arbeitsaufenthalt, bei dem Tanzschaffende Raum und gegebenenfalls weitere Unterstützung für ein künstlerisches Vorhaben erhalten. Eine fertige Aufführung muss daraus nicht entstehen.

Seit der Gründung steht die Entstehung von Tanz im Fokus

1996 wurde das Tanzhaus Zürich als Tanzhaus Wasserwerk gegründet. Sein Standort an der Wasserwerkstrasse im Letten liegt am Limmatufer. Die dokumentierte Entwicklung zeigt eine Institution, deren Aufgaben über das Aufführen von Stücken hinausgingen: Sie begleitete Tanzschaffende in verschiedenen Phasen ihrer Arbeit.

Dazu gehörten Residenzen und Koproduktionen, aber auch Profitraining sowie Tanzhaus young für Kinder und Jugendliche. Diese Aufgaben erfüllen unterschiedliche Zwecke: Training unterstützt tänzerische Fähigkeiten, Arbeit mit jungen Menschen eröffnet Zugänge zu Bewegung, Produktionsunterstützung ermöglicht künstlerische Vorhaben. Dass ein Haus auch Lernen ermöglicht, macht es nicht automatisch zu einer Tanzschule. Entscheidend ist, welche Aufgabe seine Arbeit zusammenhält.

2012 zerstörte ein Brand die frühere Maschinenhalle; 2019 wurde der Neubau fertiggestellt. Diese Eckdaten markieren Einschnitte in der Geschichte, erklären aber nicht allein das Produktionsmodell. Auch die dokumentierte Einbindung als Spielort von Zürich Tanzt zeigt die Verbindung zur Öffentlichkeit. Die genannten Angebote gehören zum überlieferten Profil, nicht zu einer aktuellen Trainingsübersicht. Den weiteren Bühnenzusammenhang findest du im Überblick zu Tanzaufführungen in Zürich.

Eine festgehaltene Bewegungsidee macht Varianten vergleichbar, bevor das Team eine endgültige Reihenfolge festlegt.
Eine festgehaltene Bewegungsidee macht Varianten vergleichbar, bevor das Team eine endgültige Reihenfolge festlegt.

Ein Produktionshaus arbeitet vor dem fertigen Stück

Stell dir ein Team vor, das untersuchen möchte, wie Menschen einander ausweichen. Zu Beginn gibt es vielleicht nur eine Frage, einige Bewegungsversuche und noch keine feste Musik. In einer Residenz kann daraus Material entstehen: Wege kreuzen sich, Abstände verändern sich, ein scheinbar beiläufiger Schritt bekommt Gewicht. Das ist künstlerische Recherche, keine Unterrichtsstunde mit vorgegebenem Lernziel.

Eine Koproduktion setzt an der gemeinsamen Ermöglichung eines Vorhabens an. Beteiligte bringen beispielsweise Arbeitszeit, Mittel oder technische Unterstützung ein. Nicht jedes Produktionshaus übernimmt dabei dieselben Leistungen. Der Begriff bezeichnet eine Zusammenarbeit an der Entstehung, keine überall identische Ausstattung.

Eine reine Gastspielbühne setzt an einem anderen Punkt an: Eine bestehende Produktion kommt zur Präsentation. Auch dafür braucht es technische Vorbereitung und Proben zur Anpassung an den Ort. Der Unterschied liegt nicht darin, ob geprobt wird, sondern wofür und in welcher Projektphase. Ein Produktionshaus kann zugleich Gastspiele zeigen. Die Rollen schließen einander also nicht aus; der Blick auf die Entstehungsarbeit macht ihre Unterschiede verständlich.

Drei Begriffe richtig einordnen

So stimmt es

  • Residenz: Arbeitszeit für ein künstlerisches Vorhaben
  • Koproduktion: gemeinsam Verantwortung für ein Stück tragen
  • Gastspiel: eine bestehende Produktion an einem anderen Ort zeigen

So nicht

  • Residenz: ein anderer Name für einen Tanzkurs
  • Koproduktion: lediglich einen freien Saal vermieten
  • Gastspiel: ein Stück am Aufführungsort neu entwickeln

Die sichtbare Aufführung erzählt nicht automatisch, welche Arbeit das Haus zuvor in ihre Entstehung gesteckt hat.

Redaktion von udansa

Der Zweck trennt Produktionsarbeit von Unterricht

Im Tanzunterricht steht dein Lernen im Mittelpunkt. Eine Lehrperson wählt Aufgaben so, dass du etwa Gewicht verlagern, Rhythmus erkennen oder Bewegungen verbinden kannst. Wiederholung dient einem nachvollziehbaren Lernfortschritt. Wenn dir dabei Zwischenschritte fehlen, betrifft das die passende Anleitung im Tanzkurs, nicht die künstlerische Produktionsweise.

In einem choreografischen Projekt kann dieselbe Wiederholung einen anderen Zweck haben. Ein Team lässt eine Bewegung immer langsamer werden, bis sie unbehaglich wirkt. Vielleicht ist das technisch nicht schwieriger, verändert aber die Aussage. Die leitende Frage lautet dann nicht, ob jemand die Bewegung schon beherrscht, sondern welche Wirkung sie im Stück entfaltet.

Deshalb ist Profitraining im dokumentierten Profil des Tanzhauses kein Widerspruch zum Produktionshaus. Körperliche Praxis und künstlerische Entwicklung können nebeneinanderstehen, ohne dass ihre Ziele gleich werden. Für dich als Zuschauer bedeutet das: Du musst eine Choreografie nicht als Sammlung besonders schwieriger Schritte bewerten. Auch eine Pause, ein Abstand oder eine bewusst einfache Bewegung kann eine präzise künstlerische Entscheidung sein. Produktionsarbeit schafft Bedingungen, unter denen solche Entscheidungen entstehen können.

Recherche und Aufführung brauchen einander

Recherche

Eine Frage bleibt zunächst offen

Bewegungsmaterial finden und verwerfen

In der Recherche darf eine Idee scheitern. Eine Bewegung kann interessant sein, ohne schon einen Platz im Stück zu haben. Der Wert dieser Arbeit liegt darin, Möglichkeiten sichtbar zu machen und eine künstlerische Richtung zu finden.

Aufführung

Eine Auswahl wird öffentlich

Entscheidungen treffen auf Wahrnehmung

In der Aufführung bekommt das ausgewählte Material eine verbindliche Form. Das Publikum erlebt Reihenfolge, Dauer und räumliche Beziehungen als zusammenhängendes Ereignis. Seine Wahrnehmung kann neue Fragen auslösen, ohne dass die gezeigte Fassung deshalb unfertig sein muss.

Häufige Fragen

  1. Tanzhaus Wasserwerk ist der Gründungsname des 1996 entstandenen Tanzhauses Zürich. Der Name gehört zur Geschichte derselben Institution. Die Lage an der Wasserwerkstrasse erklärt den örtlichen Bezug; für das Verständnis seiner Arbeit ist die Entwicklung zum Produktionshaus entscheidend.

Tanzkurse in Zürich

Wenn du selbst Bewegung erlernen möchtest, findest du hier Tanzkurse in Zürich, getrennt von der Produktionsarbeit eines Hauses.

Vom Zuschauen zum eigenen Tanzen

Auf udansa findest du Tanzkurse in Zürich, wenn du nach dem Blick hinter die Bühnenarbeit selbst Bewegung ausprobieren möchtest. Für gemeinsames Üben kannst du dort auch Tanzpartner finden.

Vom Zuschauen zum eigenen Tanzen