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Ballett-Grundlagen5 Minuten

Das Auswärts im Ballett: Gesundes En dehors für Erwachsene

Kurz gesagt
  • Das gesunde Auswärts im Ballett muss immer anatomisch korrekt in der Hüfte initiiert werden.
  • Ein Forcieren der Drehung über die Knie oder die Füße führt zu schweren Gelenkschäden.
  • Erwachsene Anfänger sollten ihren individuellen Knochenbau respektieren und den Drehwinkel langsam muskulär aufbauen.
  • Die Kniescheibe und der zweite Zeh müssen beim Auswärtsdrehen stets in dieselbe Richtung zeigen.

Das Auswärts ist das faszinierende Geheimnis des klassischen Balletts. Doch für erwachsene Einsteiger erfordert diese Drehung ein völlig neues Verständnis von Anatomie und körperlicher Achtsamkeit.

DefinitionEn dehors

En dehors bezeichnet im klassischen Ballett die Auswärtsdrehung der Beine aus dem Hüftgelenk heraus. Diese Position ermöglicht größere Beinfreiheit und die typische Ästhetik des klassischen Tanzes.

Die Anatomie hinter der klassischen Drehung

Wer als Erwachsener mit dem klassischen Tanz beginnt, stößt schnell auf den Begriff En dehors. Diese Auswärtsdrehung der Beine ist das Fundament fast aller klassischen Bewegungen und gibt dem Tanz seine charakteristische Leichtigkeit und Dynamik. Doch die anatomische Realität unterscheidet sich bei erwachsenen Anfängern grundlegend von der Ausbildung im Kindesalter. Die Sehnen und Bänder sind gefestigt, und die Knochenstruktur des Beckens lässt sich nicht mehr verformen. Wer jetzt versucht, das Auswärts mit Gewalt zu erzwingen, riskiert schwere Verletzungen.

Das gesunde Auswärtsdrehen beginnt im Hüftgelenk, einer Kugelpfanne, die von einer starken Muskulatur umgeben ist. Wenn wir im Ballett die Hüfte öffnen, aktivieren wir die tiefen Gesäßmuskeln, die sogenannten Außenrotatoren. Nur wenn die Drehung aus dieser Tiefe kommt, bleibt die gesamte Kette nach unten stabil. Ein gesundes Auswärts zeichnet sich dadurch aus, dass Oberschenkel, Kniescheibe und der zweite Zeh immer exakt in dieselbe Richtung zeigen. Sobald diese Linie bricht, entstehen gefährliche Scherkräfte in den Gelenken.

Nahaufnahme von Ballerina-Füßen in Ballettschuhen auf einem Holzboden
Die korrekte Ausrichtung der Beine beginnt im Becken: Nur wenn die Hüfte die Drehung erlaubt, dürfen die Füße dem Winkel folgen.

Warum das Forcieren der Gelenke gefährlich ist

Der häufigste und gefährlichste Fehler beim Versuch, das Ballett auswärts lernen als Erwachsene umzusetzen, ist das sogenannte Forcieren über die Füße. Dabei drehen Tanzende ihre Füße auf dem rutschfesten Boden manuell in einen weiten Winkel, während das Knie dieser Drehung anatomisch nicht folgen kann. Die Folge ist eine Verdrehung im Kniegelenk, die das Innenband und die Menisken extrem belastet. Auch das Fußgewölbe bricht dabei nach innen ein, was langfristig zu Schmerzen und Fehlstellungen führt.

Ein gesundes En dehors für Anfänger respektiert die individuellen Grenzen der eigenen Knochenstruktur. Wie weit sich die Hüfte öffnen lässt, hängt maßgeblich von der Form des Schenkelhalses und der Tiefe der Hüftpfanne ab. Diese Gegebenheiten sind genetisch festgelegt und lassen sich nicht wegbiegen. Ein ehrliches, kleineres Auswärts, das stabil aus der Hüfte gehalten wird, sieht im Tanz nicht nur eleganter aus, sondern schützt dich auch vor chronischen Gelenkschäden. Konzentriere dich beim Training an der Stange darauf, die Drehung im Becken zu spüren, anstatt auf den Winkel deiner Füße zu schielen. Für den Einstieg ist ein stabiles Plie und Releve weitaus wichtiger als eine perfekte 180-Grad-Linie.

Sicheres Training an der Stange

Richtig

  • Die Drehung in der Hüfte starten
  • Knie und Zehen exakt gleich ausrichten
  • Den eigenen Knochenbau akzeptieren
  • Die tiefen Gesäßmuskeln anspannen

Falsch

  • Die Füße auf dem Boden zurechtrutschen
  • Die Knie nach innen sinken lassen
  • Sich mit Profi-Tänzern vergleichen
  • Die Position passiv in den Gelenken hängen

Wer das Auswärts über die Füße erzwingt, bezahlt den optischen Erfolg schnell mit Knieschmerzen. Ein gesundes En dehors kommt immer von oben, niemals von unten.

Ballettpädagogin und Physiotherapeutin, Berlin

Muskelkraft statt Gelenkbelastung im Training

Ein gesundes Auswärts ist keine statische Position, in die man sich hineinpresst, sondern eine aktive, muskuläre Bewegung. Um die tiefen Außenrotatoren im Alltag und beim Training zu aktivieren, hilft die Vorstellung, die Oberschenkel wie zwei Schrauben nach außen und hinten zu drehen. Das Becken bleibt dabei vollkommen neutral und kippt weder nach vorne noch nach hinten. Eine stabile Basis und eine aufrechte Haltung an der Ballettstange helfen dir dabei, die Balance zu halten, während sich deine Beine in der Hüfte ausdrehen.

Geduld ist der Schlüssel zum Erfolg. Dein Körper benötigt Zeit, um die Koordination für diese ungewohnte Bewegung aufzubauen. Nutze die ersten Trainingsmonate, um ein feines Gespür für die Muskeln im Gesäß und an der Oberschenkelrückseite zu entwickeln. Sobald du lernst, die Bewegung aus der Tiefe deines Beckens anzusteuern, wird sich dein En dehors ganz natürlich und schmerzfrei verbessern, ohne dass du deine Knie oder Füße belasten musst.

Zwei Wege der Auswärtsdrehung im Vergleich

Aktiv

Gesundes En dehors

Muskuläre Rotation aus dem Becken

Die Drehung wird ausschließlich durch die Kraft der tiefen Gesäßmuskeln in der Hüfte erzeugt. Die Gelenke von Knie und Fuß bleiben in einer geraden, unbelasteten Achse.

Passiv

Forciertes Auswärts

Erzwungene Drehung über die Füße

Die Füße werden auf dem Boden in die Breite gezwungen, während die Hüfte geschlossen bleibt. Das Knie verdreht sich schmerzhaft nach innen.

Häufige Fragen

  1. Nein, das ist anatomisch unmöglich und gefährlich. Eine perfekte 180-Grad-Linie erfordert eine genetische Veranlagung und jahrelanges Training im Kindesalter. Für Erwachsene ist ein kleinerer, stabiler Winkel viel gesünder.

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