Wie Könige und Höflinge das Fundament des Balletts schufen
Die Wurzeln des klassischen Balletts liegen nicht in zarten Spitzenschuhen, sondern in der absoluten Machtrepräsentation europäischer Herrscher. Im 16. und 17. Jahrhundert war das Tanzen an den Höfen Italiens und Frankreichs eine rein männliche Angelegenheit. Der Adel nutzte die geometrischen Schrittfolgen, um Disziplin, Eleganz und politischen Anspruch zu demonstrieren. Kein Geringerer als König Ludwig XIV. von Frankreich, der selbst als leidenschaftlicher Tänzer auftrat und im berühmten Ballet de la Nuit als Sonne glänzte, professionalisierte die Kunstform. Er gründete 1661 die Académie Royale de Danse. In dieser Epoche war die historische Rolle der Männer im Ballett von höchster politischer Relevanz: Männer verkörperten Götter, Helden und Monarchen, während Frauen auf der Bühne zunächst gar nicht zugelassen waren. Erst ab 1681 durften auch Tänzerinnen die Bühne betreten, doch die kreative und tänzerische Vormachtstellung blieb zunächst fest in männlicher Hand.



