Ein Remate setzt Gewicht innerhalb einer Passage
Beim Remate im Flamenco geht es hier um eine pointierende Funktion: Eine Wendung wird zugespitzt, beantwortet oder zu einem prägnanten Ende geführt. Das kann innerhalb eines größeren Abschnitts geschehen. Du hörst einen lokalen Endpunkt, ohne dass damit der gesamte Verlauf abgeschlossen sein muss.
Als erstes Tangos-Beispiel dient eine bewusst vereinfachte Unterrichtsszene. Die Zählung lautet gleichmäßig 1, 2, 3, 4. Eine laufende tänzerische Passage erhält auf 2 und 3 zwei kurze Akzente; auf 4 bleibt die Bewegung gesammelt. Mit der nächsten 1 läuft dieselbe Passage weiter, die Begleitung trägt denselben Zusammenhang fort.
Die kleine Akzentgruppe wirkt hier wie ein Satzzeichen innerhalb eines längeren Gedankens. Wir betrachten sie als Remate, weil sie eine Wendung pointiert. Die Zählung ist dabei kein vorgeschriebenes Remate-Muster für alle Tangos, sondern macht eine mögliche Funktion verständlich.
Dass Akzente und gehaltene Momente zusammengehören, begegnet dir auch beim Timing von Tientos-Phrasen. Hier interessiert jedoch ausschließlich, welchen Umfang die pointierte Stelle beendet: eine kleine Wendung oder einen ganzen Abschnitt.
