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Vereinsleben5 Minuten

Tanzgarde und Karnevalsgarde: Unterschied im Rheinland

Von Bernhard De LucaStand

Kurz gesagt
  • Eine Tanzgarde ist eine tänzerische Gruppe, während eine Karnevalsgarde im Rheinland auch ein ganzes Traditionskorps bezeichnet.
  • Ein Traditionskorps kann Tanzpaare, Fußkorps, Musik und repräsentative Aufgaben unter einem Vereinsdach verbinden.
  • Zur Korpsmitgliedschaft können deshalb neben Auftritten auch Begleitungen, Gemeinschaftstermine und ehrenamtliche Arbeiten gehören.
  • Die Bezeichnungen sind nicht einheitlich geschützt, entscheidend sind die tatsächlich beschriebenen Abteilungen und Aufgaben.

Deine Garde braucht auch Mitstreiter

Auf udansa connect findest du Kontakte zum gemeinsamen Tanzen und Üben. So kannst du deinen Wunsch nach Gardetanz mit Menschen besprechen, die ebenfalls Anschluss an eine Gruppe suchen.

Deine Garde braucht auch Mitstreiter

Das Traditionskorps bringt mehr als eine Tanznummer mit

Im Rheinland treffen zwei Organisationsformen aufeinander: Die Tanzgarde erarbeitet choreografierte Auftritte; das Traditionskorps stellt eine karnevalistische Gemeinschaft mit eigenen Uniformen, Funktionen und überlieferten Auftrittsformen dar. Eine Tanzgruppe kann darin eingebettet sein. Ein Korpsaufzug ist deshalb nicht einfach eine größere Gardetanznummer.

Die Vereinschroniken verorten die Kölner Roten Funken im Jahr 1823, die Bürgergarde „blau-gold“ im Jahr 1904 und die Prinzen-Garde Köln im Jahr 1906. Diese Gründungsjahre belegen unterschiedliche historische Ausgangspunkte, keine Rangfolge tänzerischer Qualität. Die Roten Funken beziehen ihre Tradition auf die ehemaligen Kölner Stadtsoldaten. Bei der Prinzen-Garde gehört die Begleitung von Prinz und Bauer des Kölner Dreigestirns zum beschriebenen Korpsprofil. Das ist eine repräsentative Aufgabe, keine Tanztechnik.

Ein Tanzpaar mit Funkenmariechen und Tanzoffizier kann eine hervorgehobene Nummer übernehmen, während weitere Mitglieder den Korpsrahmen bilden. Musikzüge und Fußkorps ergänzen das Bild. Dazu können vereinsabhängig Helferdienste beim Veranstaltungsaufbau oder bei der Betreuung gemeinsamer Auftritte kommen, nicht als pauschale Pflicht jeder Tanzgarde.

Auch tänzerisch unterscheiden sich die Situationen: Eine Formation setzt Musik in gemeinsam abgestimmte Bewegungen um, ein Korps zeigt zusätzlich traditionelle Gesten und geordnete Aufzüge. Wie du musikalische Abschnitte beim Tanzen erkennst, erklärt der Ratgeber zu Puls und Phrasen in der Marschmusik. Daraus allein entsteht noch keine Korpsmitgliedschaft.

Eine Uniform macht Zugehörigkeit sichtbar, verrät aber weder deine Tanzrolle noch den Umfang deiner ehrenamtlichen Mitarbeit.
Eine Uniform macht Zugehörigkeit sichtbar, verrät aber weder deine Tanzrolle noch den Umfang deiner ehrenamtlichen Mitarbeit.

Drei Gründungsjahre rheinischer Traditionskorps

Kölner Rote Funken
1823
Bürgergarde „blau-gold“, Köln
1904
Prinzen-Garde Köln
1906

Vom Tanzwunsch zur passenden Rolle im Korps

  1. Deinen Schwerpunkt formulieren

    Formuliere zunächst einen konkreten Wunsch: „Ich möchte in einer Gruppe choreografierte Bühnentänze aufführen.“ Damit benennst du eine tänzerische Tätigkeit. „Ich möchte bei einem Korps mitmachen“ lässt dagegen offen, ob du tanzen, repräsentieren oder organisatorisch helfen möchtest.

  2. Das Korps als Gemeinschaft einordnen

    Trenne gedanklich deinen Bühnenplatz von der Zugehörigkeit zum Verein. In einem Traditionskorps kannst du gemeinsam mit Menschen auftreten, deren Beitrag aus Musik, geordnetem Einzug oder Begleitung besteht. Dein Tanz ist dann ein Bestandteil eines größeren gemeinsamen Auftritts.

  3. Deine Tanzrolle konkret benennen

    Unterscheide zwischen dem Mitwirken in einer Gruppenformation und einer hervorgehobenen Paarrolle. Sage beispielsweise „Tanzgruppe“ statt nur „Garde“, wenn du eine Formation meinst. So vermeidest du, dass dein Interesse als Wunsch nach dem Fußkorps oder einer repräsentativen Funktion verstanden wird.

  4. Zusätzliche Aufgaben einmal abgleichen

    Frage einmal gebündelt, welche Korpsaufgaben für deine gewünschte Abteilung verbindlich sind. Nenne Begleitungen, Gemeinschaftsauftritte und Helferdienste ausdrücklich. Eine konkrete Antwort trennt die Mitarbeit, die alle aktiven Mitglieder betrifft, von Aufgaben einzelner Abteilungen oder freiwilligen Einsätzen.

  5. Den gemeinsamen Auftritt mitdenken

    Behandle bei einem Korpsauftritt auch die Zeit außerhalb deiner Tanznummer als Teil deiner Rolle, sofern das vereinbart ist. Während das Tanzpaar auftritt, kann die übrige Mannschaft den Auftrittsrahmen bilden. Nach deinem eigenen Einsatz verschwindet die gemeinsame Verpflichtung deshalb nicht automatisch.

  6. Deine Zusage präzise aussprechen

    Fasse deine Entscheidung mit Tätigkeit und Zugehörigkeit zusammen: „Ich möchte in der Tanzabteilung mitwirken und die vereinbarten Korpsdienste übernehmen.“ Oder benenne ausdrücklich eine reine Tanzgruppenrolle. Damit sagst du weder versehentlich zu wenig noch pauschal jeder denkbaren Vereinsaufgabe zu.

Häufige Fragen

  1. Nein, rheinische Karnevalsgarden sind karnevalistische Vereine oder Vereinseinheiten, keine militärischen Truppen. Uniformen, Dienstgrade und geordnete Aufzüge greifen militärische Formen auf, oft mit humoristischer Brechung. Gerade bei den Kölner Funken gehört dieser spielerische Umgang zur Tradition. Aus einem Titel wie „Kommandant“ folgt deshalb keine staatliche Befehlsgewalt und aus einer Uniform kein militärischer Dienst.