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Tanzshows6 Minuten

Warum der Let's Dance Freestyle kein Tanzstil ist

Von Bernhard De LucaStand

Kurz gesagt
  • Freestyle bezeichnet bei Let's Dance eine frei gestaltete Showchoreografie, keinen eigenständigen Tanzstil mit festgelegtem Grundschritt.
  • Ein Freestyle kann mehrere Tanzstile verbinden, muss aber nicht ständig zwischen ihnen wechseln.
  • Musikwechsel, Übergänge und Höhepunkte werden für den Auftritt choreografiert und geprobt, nicht spontan ausgewürfelt.
  • Die freie Gestaltung betrifft die Zusammenstellung der Show, nicht den Verzicht auf Technik oder gemeinsame Abstimmung.

Ein Paar löst die Tanzhaltung, die Musik kippt, plötzlich wirkt die Bühne wie eine andere Szene. Gerade diese Brüche können zusammengehören: Sie machen sichtbar, wie sorgfältig eine scheinbar freie Nummer gebaut ist.

DefinitionDramaturgie

Dramaturgie bezeichnet die Anordnung von Ereignissen und Spannungsmomenten, durch die ein Auftritt einen nachvollziehbaren Verlauf bekommt. Beim Tanzen können dafür Musik, Bewegungsqualität, Raumwege und Beziehungen zwischen den Tanzenden eingesetzt werden.

Freestyle benennt den Gestaltungsraum einer Nummer

Bei Let's Dance steht Freestyle für eine Showaufgabe mit freier choreografischer Gestaltung. Der Begriff beschreibt damit das Format des Auftritts. Er bezeichnet keine einzelne Bewegungssprache wie ein bestimmter Standard- oder Lateintanz. Für dich als Zuschauer bedeutet das: Du suchst nicht nach einem universellen Freestyle-Schritt, sondern nach den Mitteln, aus denen diese Nummer zusammengesetzt ist.

Das können Partnerpassagen, offene Bewegungsfolgen, szenische Gesten und verschiedene tänzerische Einflüsse sein. Eine geschlossene Standardhaltung kann beispielsweise in eine offene, Jazz-geprägte Passage übergehen. Die Elemente bleiben unterscheidbar, werden aber für denselben Auftritt ausgewählt. Frei ist die Zusammenstellung, nicht jede einzelne Bewegung während der Aufführung.

Die Bezeichnung allein verrät deshalb weder die Zahl der verwendeten Stile noch die Schwierigkeit der Nummer. Sie sagt auch nicht, dass zwingend Akrobatik enthalten sein muss. Konkrete Vorgaben einer Showaufgabe können den Gestaltungsraum zusätzlich begrenzen. Mit spontanem Freestyle-Training im Hip-Hop solltest du diesen Fernsehgebrauch nicht gleichsetzen: Dort wird das Wort in einem anderen tänzerischen Zusammenhang verwendet.

Wer eine bestimmte Tanzsprache genauer betrachten möchte, kann etwa Quickstep im Showclip erkennen. Für die Freestyle-Nummer bleibt jedoch ihr Gesamtaufbau entscheidend.

Auch ein kurzer musikalischer Übergang braucht Platz, damit die neue Bewegung rechtzeitig beginnen kann.
Auch ein kurzer musikalischer Übergang braucht Platz, damit die neue Bewegung rechtzeitig beginnen kann.

Musikwechsel und Stilwechsel sind nicht dasselbe

Ein neuer Song fällt sofort auf. Ein neuer Tanzstil ist weniger eindeutig: Die gleiche Bewegungssprache kann zu einem anderen Titel weiterlaufen. Umgekehrt kann sich das tänzerische Material innerhalb eines einzigen Musikstücks verändern. Deshalb ist die Anzahl der Songs kein verlässlicher Zähler für die Anzahl der Tanzstile.

Ein Musikwechsel verändert zunächst den Klang. Tempo, Akzente, Gesang oder Instrumentierung können einen anderen Charakter nahelegen. Wie stark das Paar darauf reagiert, ist eine choreografische Entscheidung. Es kann seine Haltung lösen, die Schritte dichter setzen oder einen zuvor weiten Raumweg plötzlich verkleinern. Erst die Bewegung zeigt, was der Wechsel für den Tanz bedeutet. Wie Klang und tänzerische Zuordnung zusammenhängen, erklärt auch der Beitrag über Jive-Musik und ihren Bewegungscharakter.

Besonders aufschlussreich ist der Übergang selbst. Ein Paar muss die bisherige Figur abschließen, das Gewicht passend verlagern und in einer brauchbaren Position für den neuen Abschnitt ankommen. Eine gehaltene Pose oder ein gemeinsamer Stopp kann dafür eine Brücke bilden. Was wie ein überraschender Bruch aussieht, braucht also oft sehr genaue Vorbereitung. Ohne sie wären Musik und Körper zwar gleichzeitig verändert, aber noch nicht überzeugend miteinander verbunden.

Woran du geplante Freiheit erkennst

So ja

  • Den Stil an einer längeren Bewegungsfolge erkennen
  • Musikwechsel und Bewegungswechsel getrennt beobachten
  • Auf die Bewegung zwischen zwei Abschnitten achten
  • Wiederkehrende Gesten als Verbindung wahrnehmen

So nicht

  • Jede auffällige Pose als eigenen Tanzstil zählen
  • Bei jedem neuen Song einen neuen Stil vermuten
  • Nur die Höhepunkte der Abschnitte betrachten
  • Jeden Abschnitt als unabhängige Nummer behandeln

Ein Übergang erzählt schon die nächste Szene, bevor das Publikum den neuen Tanzstil überhaupt benennen kann.

udansa-Redaktion für Tanzratgeber

Ein roter Faden macht den Stilmix verständlich

Eine Showchoreografie kann viele unterschiedliche Elemente enthalten und trotzdem klar wirken. Dafür braucht sie Beziehungen zwischen ihren Teilen. Eine Bewegung taucht wieder auf, ein anfänglicher Abstand wird kleiner, oder eine zunächst ruhige Passage erhält später eine energische Antwort. Solche Verbindungen geben dem Publikum Orientierung, ohne dass es jeden Tanzstil benennen können muss.

Dramaturgie bedeutet dabei nicht zwingend eine Handlung mit eindeutig erzählbaren Figuren. Auch eine Entwicklung von zurückhaltend zu ausgelassen kann einen Bogen bilden. Ebenso kann ein wiederkehrender musikalischer Akzent die Abschnitte zusammenhalten. Wenn dagegen jeder Wechsel nur eine neue Attraktion liefert, entsteht eher eine Folge einzelner Höhepunkte als ein zusammenhängender Verlauf.

Für deine Wahrnehmung hilft deshalb ein anderer Maßstab als bloßes Zählen: Was verändert sich zwischen den Tanzenden, und was bleibt erkennbar? Ein Schluss kann eine Geste vom Anfang aufnehmen und ihr eine andere Bedeutung geben. Dann erhält die Nummer einen Abschluss, statt nur mit dem letzten Ton aufzuhören.

Wenn du solche Auftritte selbst tanzen möchtest, bleiben die Grundlagen der jeweiligen Bewegungsformen wichtig. Die Showwirkung ersetzt weder tragfähige Haltung noch saubere Gewichtswechsel. Zusätzlich kommt eine gemeinsame zeitliche Vereinbarung hinzu: Beide wissen, wann eine Verbindung gelöst wird, welche Raumposition folgt und wohin sich die Szene zum Publikum öffnet.

Zwei Wege, eine Show zusammenzuhalten

Kontrast

Der Bruch wird zum Ereignis

Ein neuer Klang verändert die Beziehung

Ein ruhiger gemeinsamer Beginn kann in eine energische Passage mit Abstand zwischen den Tanzenden kippen. Der Unterschied macht einen Wendepunkt sichtbar. Die Verbindung entsteht durch die Geschichte des Paares, auch wenn die Bewegungen deutlich wechseln.

Kontinuität

Ein Motiv wandert durch die Nummer

Eine Geste verbindet verschiedene Abschnitte

Eine ausgestreckte Hand kann zuerst Annäherung, später Zurückweisung und am Ende Versöhnung bedeuten. Die Musik und die tänzerischen Mittel dürfen dabei wechseln. Die Verbindung entsteht durch das wiederkehrende Motiv, dessen Bedeutung sich im Verlauf verändert.

Häufige Fragen

  1. Nein, für den Let's Dance Freestyle gibt es keinen eigenen verbindlichen Grundschritt. Die verwendeten Tanzstile bringen ihre jeweiligen Schritte und technischen Grundlagen mit. Ein Kurs kann dir solche Bausteine vermitteln, ohne dass daraus ein allgemeines Freestyle-Schrittsystem entsteht.

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