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Folklore verstehen5 Minuten

Internationale Volkstänze: Von Kreistänzen bis Balfolk

Von Mary De LucaStand

Kurz gesagt
  • Internationale Volkstänze unterscheiden sich durch Rhythmus, Bewegungsform und ihren jeweiligen gesellschaftlichen Zusammenhang.
  • Sirtaki entstand für einen Film und verbindet Elemente griechischer Tänze.
  • Hora bezeichnet eine regionsübergreifende Tanzfamilie, keine überall identische Schrittfolge.
  • Balfolk umfasst unter anderem Mazurka und Schottisch, deren Ausführungen je nach Tanzszene variieren.

Ein vertrauter Kreis kann sich rhythmisch fremd anfühlen, ein unbekannter Paartanz dagegen schnell zugänglich werden. Wenn du Bewegungsprinzipien erkennst, musst du nicht jede neue Tanzform wie ein unverbundenes Schritträtsel behandeln.

DefinitionGewichtswechsel

Gewichtswechsel bedeutet, dass du dein Körpergewicht von einem tragenden Fuß auf den anderen verlagerst. Ein aufgesetzter Fuß ohne Gewichtsübernahme ist dagegen nur ein Tippen und bereitet einen anderen nächsten Schritt vor.

Kreistänze teilen eine Form, nicht dieselben Schritte

Griechische Tänze umfassen unterschiedliche Reihen- und Kreisformen. Kalamatianos etwa hat eine charakteristische Siebenergliederung, meist als 3 + 2 + 2 empfunden. Das längere erste Teilstück verändert die Bewegung: Gleichmäßiges Zählen wie bei einem Marsch trifft den Rhythmus nicht. Die offene Reihe folgt ihrer führenden Person, während die Handverbindung den Abstand stabilisiert.

Wer Sirtaki lernen möchte, begegnet dagegen einer Choreografie aus dem Film Alexis Sorbas von 1964. Sie verbindet langsamere und schnellere Elemente, die an Hasapiko und Hasaposerviko anknüpfen. Zum Einstieg übst du seitliche Gewichtswechsel und kleine Kreuzschritte ohne Tempoanstieg. Die Schulterverbindung darf keinen Zug auf den Nacken erzeugen. Wie Film eine Tanzvorstellung prägt, erklärt auch der Ratgeber zu Tänzen aus Film und Fernsehen.

Hora ist keine universelle Anleitung. Der Name begegnet dir unter anderem in rumänischen, israelischen und weiteren südosteuropäischen Zusammenhängen mit unterschiedlichen Schritten. Israelische Kreistänze besitzen häufig festgelegte Choreografien zu bestimmten Liedern. Beim bekannten Mayim Mayim gehört eine seitliche Kreuzschrittfolge zum Bewegungsmaterial: seitwärts, hinten kreuzen, seitwärts, vorn kreuzen. Übe sie klein und mit weichen Knien. Diese Folge erklärt jedoch weder jede israelische Hora noch die rumänische Tanzfamilie.

Die Abstände zwischen den Füßen verraten oft deutlicher als die Armhaltung, wie groß eine Bewegung wirklich ist.
Die Abstände zwischen den Füßen verraten oft deutlicher als die Armhaltung, wie groß eine Bewegung wirklich ist.

Balfolk verändert überlieferte Paartänze

Balfolk, auch als Bal Folk geschrieben, bezeichnet eine heutige Tanzpraxis mit traditionellen und weiterentwickelten Gruppen- und Paartänzen. Mazurka und Schottisch werden darin nicht zwangsläufig so ausgeführt wie in einer bestimmten historischen Region. Musik, lokale Gewohnheiten und die Gestaltung des Paares können Unterschiede erzeugen. Deshalb ist eine Balfolk-Version keine vollständige Beschreibung sämtlicher Tänze gleichen Namens.

Beim Balfolk-Schottisch ist ein verbreitetes Grundmuster gut erkennbar: drei Schritte und ein kleiner Hopser auf dem zuletzt belasteten Fuß, anschließend zur anderen Seite dasselbe. Darauf folgen vier abwechselnde Schritt-Hopser, häufig mit einer gemeinsamen Drehbewegung. Ein Hopser ist kein zusätzlicher Gewichtswechsel. Die Schritte bleiben klein, und die Drehung muss nicht sofort dazukommen. Du kannst das Muster zunächst nebeneinander nachvollziehen, bevor die Paarhaltung Orientierung übernimmt.

Wenn du Mazurka tanzen möchtest, hörst du zuerst auf den Dreiertakt und die Akzente der Melodie. Balfolk-Mazurka arbeitet häufig mit ungleich gewichteten Schritten, kleinen Unterbrechungen und variabler Drehung. Es gibt dafür keine einzelne Grundfolge, die alle heutigen Ausführungen abdeckt. Markiere zunächst die drei Schläge mit kleinen Gewichtswechseln und beobachte, wo die Musik zum Verweilen einlädt. Die Unterscheidung zwischen Zählen und musikalischem Akzent begegnet dir auch bei Rhythmus und Compás im Flamenco, allerdings mit ganz anderen musikalischen Strukturen.

Was Namen und Bewegungen wirklich verraten

Stimmt

  • Hora anhand der konkreten Choreografie unterscheiden
  • Sirtaki als Filmchoreografie einordnen
  • Beim Schottisch Schritt und Hopser unterscheiden
  • Mazurka mit ihrem Dreiertakt verbinden

Mythos

  • Jede Hora hat dieselbe Schrittfolge
  • Sirtaki ist ein unveränderter antiker Tanz
  • Jede Schottisch-Zählzeit ist ein neuer Schritt
  • Mazurka ist einfach ein anders benannter Walzer

Ein Tanzname gibt dir eine Richtung, aber erst Rhythmus und Gewichtswechsel erklären dir die Bewegung.

udansa-Redaktion

Konkrete Traditionen ersetzen Kontinent-Schubladen

„Afrikanischer Tanz“ beschreibt keine gemeinsame Schritttechnik. Adowa aus Ghana, besonders mit Akan-Gemeinschaften verbunden, nutzt differenzierte Hand- und Armgesten zusammen mit bodennaher Bewegung. Diese Gesten können soziale Bedeutungen tragen. Als erste Bewegungsbeobachtung eignet sich das Zusammenspiel von weichen Knien, kleinen Schritten und einer eigenständig geführten Handbewegung. Eine beliebige Geste nachzuahmen ersetzt jedoch nicht das Wissen um ihre Bedeutung.

Auch Asien lässt sich nicht auf eine Bewegungsform reduzieren. Beim japanischen Bon Odori werden je nach Ort und Musik verschiedene Gemeinschaftstänze ausgeführt. Die Choreografie zu Tankō Bushi ist ein konkretes Beispiel: Armbewegungen erinnern an Arbeit im Kohlebergbau, etwa Graben und Schieben. Für den Einstieg trennst du die wiederholte Schrittfolge von den Armgesten und verbindest beide erst, wenn die Füße ohne dauernden Blick nach unten weiterlaufen.

Kolumbianische Cumbia hat wiederum afro-kolumbianische und indigene Wurzeln sowie zahlreiche spätere Entwicklungen. In traditionellen Paarformen können kleine gleitende Schritte, tänzerisches Werben und das Spiel mit einem Rock wichtig sein. Das ist nicht mit jeder heutigen Cumbia-Paartanzvariante gleichzusetzen. Beginne für ein Bewegungsgefühl mit kurzen, bodennahen Schritten und ruhigem Oberkörper, ohne daraus eine vollständige Choreografie abzuleiten. Ein konkreter Tanz, ein Lied und ein Anlass erklären mehr als ein Kontinentname. Herkunft gehört deshalb zur Bewegungserklärung, nicht bloß zur Kostümfrage.

Gemeinsamer Rhythmus, unterschiedliche Orientierung

Kreis

Die Nachbarn geben Orientierung

Bewegung als Teil einer größeren Formation

Im Kreis liest du Richtung und Schrittgröße auch an den Menschen neben dir ab. Deine Verbindung reicht über die Hände hinaus: Zu große Seitenschritte können die ganze Formation auseinanderziehen. Ein kleiner Bewegungsradius lässt mehr Raum für unterschiedliche Körpergrößen.

Paar

Die Verbindung bleibt beweglich

Bewegung im direkten Austausch zu zweit

Im Balfolk-Paar spürst du Richtungswechsel über die gemeinsame Haltung und den Kontakt. Wer einen Impuls gibt, braucht trotzdem eine Antwort und Platz für Anpassung. Die Rollen lassen sich unabhängig vom Geschlecht verteilen, solange beide dieselbe Vereinbarung verstehen.

Häufige Fragen

  1. Für das Üben internationaler Volkstänze brauchst du normalerweise keine Tracht. Bewegliche Alltagskleidung lässt dich Schritte und Gewichtswechsel ausprobieren. Festkleidung oder traditionelle Kleidung gehört zu bestimmten Anlässen und Gemeinschaften, nicht automatisch zu jeder überlieferten Tanzform.

Neue Rhythmen gemeinsam verstehen

Auf udansa findest du Menschen, mit denen du unbekannte Tanzformen ausprobieren kannst. Für Balfolk-Paartänze kannst du gezielt nach jemandem suchen, der kleine Schritte und musikalisches Erkunden ebenso schätzt.

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