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Regionale Tanzformen6 Minuten

Deutsche Volkstänze: Schritte zwischen Alpen und Rhein

Von Mary De LucaStand

Kurz gesagt
  • Deutsche Volkstänze teilen viele Schrittformen mit österreichischen und Schweizer Tänzen, unterscheiden sich aber regional in Figuren und Namen.
  • Polka und Rheinländer stehen meist im Zweiertakt, Ländler im Dreiertakt; Boarischer und Schottisch verbinden Wechsel- und Drehschritte.
  • Die Sternpolka verbindet Paartanz mit einer gemeinsamen Sternfigur; ihr genauer Ablauf hängt von der überlieferten Fassung ab.
  • Ein Tanzname bezeichnet häufig mehrere Varianten, deshalb ist eine einzelne Schrittfolge nicht überall verbindlich.

Eine Melodie beginnt, und zwei Gruppen tanzen unter demselben Namen verschiedene Figuren. Das ist bei regionalen Tänzen kein Versehen: Ihre Unterschiede erzählen davon, wie Menschen Schrittfolgen weitergegeben und vor Ort verändert haben.

DefinitionWechselschritt

Wechselschritt bezeichnet eine Folge aus Schritt, Heransetzen des anderen Fußes und erneutem Schritt mit dem ersten Fuß. Nach diesen drei Gewichtswechseln ist der andere Fuß für die nächste Folge frei.

Die Namen folgen Regionen, nicht Staatsgrenzen

Deutsche Volkstänze bilden kein abgeschlossenes Verzeichnis. Polka, Ländler und Schottisch kommen auch in Österreich und der Schweiz vor, häufig mit örtlichen Namen und eigenen Figuren. Ein Name beschreibt eher eine Tanzfamilie als eine überall identische Choreografie. Die Polka verbreitete sich im 19. Jahrhundert von Böhmen aus weit über den deutschsprachigen Raum; sie ist deshalb kein ausschließlich deutscher Tanz.

Bei bayerischen Tänzen begegnen dir neben Polka und Ländler besonders Boarischer und Schuhplattler. In Österreich gehören Ländler und verschiedene Polkaformen zum regionalen Repertoire. In der Schweiz findest du unter anderem Schottisch, Polka und lokale Ländlerformen. Schweizer Ländlermusik bezeichnet zudem eine musikalische Tradition, deren Repertoire nicht ausschließlich aus Tänzen im Dreiertakt besteht. Rheinländer wird ebenfalls über seine namensgebende Region hinaus getanzt.

Auch der Schuhplattler ist keine beliebige Polka mit Klatschen: Rhythmisch gesetzte Schläge auf Oberschenkel, Schuhe oder Sohlen prägen die Form, häufig zu Musik im Dreiertakt. Einzelne Tänze legen fest, welche Schlagfolgen, Drehungen und Paarpassagen dazugehören. Beim Ländler hilft derselbe Dreierpuls wie beim Walzer zur Orientierung, ohne dass du deshalb die Technik des Wiener Walzers unverändert übernehmen kannst.

An der belasteten Sohle erkennst du den Gewichtswechsel zuverlässiger als an einer schwungvollen Rockbewegung.
An der belasteten Sohle erkennst du den Gewichtswechsel zuverlässiger als an einer schwungvollen Rockbewegung.

Takt und Belastung machen die Schritte lesbar

Beim Polka-Grundschritt im 2/4-Takt kannst du eine verbreitete Form als „eins und zwei“ zählen: links gehen, rechts heransetzen, links gehen. Im folgenden Takt beginnt rechts. Das Heransetzen trägt Gewicht; bloßes Antippen ergibt eine andere Bewegung. Kleine Schritte lassen sich gemeinsam vorwärts, seitwärts oder drehend ausführen.

Ein einfacher Ländler-Drehschritt verteilt drei Belastungen auf „eins, zwei, drei“. Du setzt einen Schritt in die Bewegungsrichtung, führst den anderen Fuß seitlich mit und schließt oder ergänzt klein, je nach Fassung. Der nächste Takt beginnt mit dem anderen Fuß. Ländler können außerdem Handfassungswechsel und Armfiguren enthalten; sechs Fußbewegungen erklären noch keinen vollständigen Tanz.

Beim Schottisch und Boarischer findest du häufig zwei Wechselschrittfolgen, zuerst links, dann rechts, gefolgt von einem Drehteil. Eine verbreitete Schottischform ergänzt die Wechselschritte um Hüpfer und dreht anschließend mit vier Schritt-Hüpf-Bewegungen. Beim Boarischen können stattdessen vier gehende Drehschritte folgen. Die Notierung erfolgt häufig im 2/4- oder 4/4-Takt, die lokale Fassung entscheidet über die genaue Zuordnung. Wie bei den Bewegungsbausteinen im Line Dance hilft dir die Unterscheidung zwischen belastetem Schritt, unbelastetem Tupfen und Hüpfen auf dem Standbein.

Woran du die Tanzform erkennst

So ja

  • Den betonten Taktbeginn über mehrere Takte verfolgen
  • Beim Wechselschritt dreimal das Gewicht übertragen
  • Figurenfolge und regionale Fassung zusammen benennen
  • Bei der Sternfigur die gemeinsame Mitte erhalten

So nicht

  • Aus einer einzigen schnellen Note den Takt ableiten
  • Den mittleren Schritt nur mit der Fußspitze antippen
  • Eine Ortsfassung zur einzig richtigen Form erklären
  • Im Stern unabhängig voneinander nach außen ziehen

Ein Tanzname ist eine Orientierung, aber erst Takt, Gewichtswechsel und Figurenfolge zeigen dir, welche Fassung du gerade tanzt.

udansa-Redaktion

Rheinländer und Sternpolka ordnen die Figuren

Beim Rheinländer steht meist ein Zweiertakt hinter der Figurenfolge. In einer verbreiteten Paarfassung bewegt ihr euch zunächst mit zwei Wechselschritten vorwärts, links beginnend und anschließend rechts. Danach folgen kleine Wendungen zueinander, häufig mit wechselndem Blick über die Schulter, bevor eine Polkadrehung anschließt. Manche Fassungen enthalten angedeutete oder tatsächliche Küsse. Das ist eine überlieferte Figur, keine Verpflichtung zu Körperkontakt. Andere regionale Fassungen setzen andere Akzente oder ordnen die Teile anders.

Die Sternpolka erkennst du dagegen an ihrer Aufstellung: Ein Paartanzteil wechselt mit einer gemeinsamen Sternfigur. Bei einer verbreiteten Form reichen mehrere Tanzende die rechten Hände zur Mitte und gehen mit Polkaschritten um diese Mitte. Die Partner bleiben außen verbunden. Für die Gegenrichtung werden Hände und Orientierung gewechselt, anschließend löst sich die Gruppe wieder in Paare. Wie viele Takte jeder Teil dauert und welche Handfassung verwendet wird, gehört zur jeweiligen Fassung.

Die Musik trägt hier nicht nur Schritte, sondern Figurenwechsel. Eine wiederkehrende Melodiephrase kann das Ende der Paarpassage und den Beginn des Sterns markieren. Damit unterscheiden sich diese Tänze von einer frei zusammengestellten Folge: Du erkennst sie am Zusammenspiel von Schritt, Aufstellung und musikalischem Abschnitt.

Dieselbe Tradition, zwei Arten der Verständigung

Paar

Die Bewegung miteinander abstimmen

Polka und Ländler im gemeinsamen Rahmen

Im Paar entsteht die Drehung durch abgestimmte Schritte und eine bequeme Verbindung der Arme. Du spürst Richtung und Tempo unmittelbar, auch wenn verschiedene Paare auf derselben Fläche unterschiedlich große Wege tanzen.

Gruppe

Eine Figur gemeinsam sichtbar machen

Die Sternpolka mit geteilter Orientierung

In der Gruppenfigur richtet sich dein Weg zusätzlich nach der Mitte und den benachbarten Tanzenden. Der Wechsel zwischen Paar und Stern macht die Form erkennbar, selbst wenn die einzelnen Paare ihre Polka unterschiedlich ausführen.

Häufige Fragen

  1. Boarischer und Schottisch sind eng verwandte Tanzformen, aber nicht jede regionale Fassung ist identisch. Beide verbinden häufig Wechselschritte mit einem anschließenden Drehteil. Unterschiede betreffen etwa Hüpfer, Armhaltung, Drehrichtung und die Verteilung der Bewegungen auf die musikalischen Takte.

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