Die spirituellen und sozialen Wurzeln im Recôncavo Baiano
Tief im Nordosten Brasiliens, im Bundesstaat Bahia, liegt der Ursprung eines Rhythmus, der heute die ganze Welt bewegt. Die samba de roda geschichte beginnt im 17. Jahrhundert im Recôncavo Baiano, einer fruchtbaren Region rund um die Allerheiligenbucht. Hier verschmolzen die musikalischen Traditionen verschleppter afrikanischer Sklaven, insbesondere der Bantu-Kulturen, mit portugiesischen Einflüssen wie dem Rundgesang und der Poesie. Im Gegensatz zum heutigen, rasanten Karnevalstanz aus Rio de Janeiro ist der Samba de Roda ein ritueller, zutiefst gemeinschaftlicher Kreistanz. Er wurde nach der harten Feldarbeit auf den Zuckerrohrplantagen zelebriert, um Identität zu wahren, Trost zu finden und Widerstand zu leisten. Die kreisförmige Aufstellung symbolisiert Gleichheit und Zusammenhalt, da es keine feste Bühne gibt und jeder Teilnehmende abwechselnd im Zentrum des Geschehens steht.
Die Musik wird von traditionellen Instrumenten getragen, allen voran der Atabaque-Trommel, dem Pandeiro und dem charakteristischen Prato-e-Faca (Teller und Messer), die einen dichten, hypnotischen Teppich weben. Der Gesang funktioniert im Call-and-Response-Prinzip, bei dem ein Solist vorgibt und die Gemeinschaft im Chor antwortet. Wer den Kreis betritt, tanzt meist solo und improvisiert mit erdigen, flachen Schritten, die eine tiefe Verbindung zum Boden halten. Diese historische Ausdrucksform ist so bedeutend für das kulturelle Erbe der Menschheit, dass sie im Jahr 2005 von der UNESCO als Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit anerkannt wurde. Bis heute ist der traditioneller samba kreistanz in Bahia lebendig geblieben und bildet das Fundament, auf dem sich spätere Stile wie der Samba no Pé erst entwickeln konnten.




