Wie sich der Neotango vom Klassiker unterscheidet
Der Begriff Neotango beschreibt eine moderne Weiterentwicklung des traditionellen Tango Argentino, die sich vor allem durch musikalische und kulturelle Offenheit auszeichnet. Während der klassische Tango fest in der Epoche der "Época de Oro" der 1930er- und 1940er-Jahre verwurzelt ist, öffnet sich der Neotango für zeitgenössische Einflüsse. Der Grundstein für diese Bewegung wurde maßgeblich durch den Tango Nuevo von Astor Piazzolla gelegt, der die traditionellen Strukturen bereits in den 1960er-Jahren aufbrach. Beim Neotango geht diese Entwicklung jedoch noch einen Schritt weiter: Die Musik löst sich vollständig von den klassischen Orchestern und integriert moderne Rhythmen.
Diese musikalische Befreiung hat direkten Einfluss auf die Bewegung. Da die Musik nicht mehr den strengen, gewohnten Mustern folgt, wird auch der Tanz freier. Die traditionelle, oft sehr asymmetrische Haltung weicht einer flexiblen Umarmung, die sich der Dynamik des Augenblicks anpasst. Die Rollen von Lead und Follow werden beim Neotango fließend interpretiert und im Tanzverlauf oft spielerisch getauscht. Es geht weniger um das fehlerfreie Abrufen historischer Figuren als vielmehr um den kreativen Ausdruck zur Musik.

