Der Name beschreibt Familien, nicht Tanzrollen
Beim Geschlechtertanz in Augsburg führt die heutige Bedeutung des Wortes „Geschlecht“ leicht auf die falsche Spur. Gemeint sind hier die städtischen Familienverbände, nicht eine Aufteilung in männliche und weibliche Tanzende. Die Patrizier bildeten die prägende gesellschaftliche Gruppe dieser Feste. Der Name erzählt damit zuerst etwas über die Zugehörigkeit der Feiernden.
Das historische Tanzhaus war ein Ort, an dem die Oberschicht tanzte, Hochzeiten und andere Feste feierte. Der Geschlechtertanz lässt sich deshalb nicht allein über eine Schrittfolge erklären. Seine Bedeutung lag auch darin, dass Angehörige dieser gesellschaftlichen Schicht gemeinsam auftraten und feierten. Familienzugehörigkeit war dabei etwas anderes als die heutige Anmeldung zu einem Tanzabend.
Für eine genaue Gästeliste, einzelne einflussreiche Familien oder konkrete Zulassungsregeln reichen die vorliegenden Angaben allerdings nicht aus. Du kannst die Patrizier als Träger der Tradition benennen, ohne bestimmte Personen zu ihren Erfindern zu erklären. Ebenso wenig belegt der Begriff, wer ein Paar führte oder welche Aufstellung verwendet wurde.
Wenn du die Bezeichnung unter Augsburgs unterschiedlichen Tanzformen und ihrer Geschichte einordnest, hilft diese Unterscheidung: Manche Namen kennzeichnen eine Bewegungstechnik, andere vor allem einen gesellschaftlichen Anlass. Der Geschlechtertanz gehört hier zur zweiten Art der Bezeichnung.







