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Freie Tanzkunst5 Minuten

Das steptext dance project Bremen: freie Tanzarbeit

Von Bernhard De LucaStand

Kurz gesagt
  • Das steptext dance project war in Bremen als freie Tanzkompanie in der Schwankhalle angesiedelt.
  • Helge Letonja leitete die Kompanie als Choreograf und prägte damit ihre künstlerische Arbeit.
  • Eine Koproduktion mit dem Theater Bremen verband 2016 rekonstruierte Bohner-Passagen mit einer neuen Choreografie von Letonja.
  • Freie Kompanie bezeichnet die künstlerische Organisation, Koproduktionspartner ihre Beteiligung an einem gemeinsam getragenen Werk.

Auf einem Programmzettel stehen oft mehrere Namen nebeneinander, obwohl sie ganz unterschiedliche Aufgaben haben. Wenn du diese Rollen auseinanderhältst, erkennst du besser, wessen künstlerische Arbeit du auf der Bühne siehst.

DefinitionKoproduktion

Koproduktion bezeichnet eine Produktion, die mehrere Partner gemeinsam tragen und zu der sie vereinbarte künstlerische, organisatorische oder finanzielle Beiträge leisten. Welche Aufgaben jeder Partner übernimmt, kann von Stück zu Stück unterschiedlich sein.

Eine Kompanie ist ein Arbeitszusammenhang, kein Gebäude

Das steptext dance project war in Bremen in der Schwankhalle angesiedelt und wurde vom Choreografen Helge Letonja geleitet. Damit sind bereits unterschiedliche Ebenen benannt: steptext als freie Tanzkompanie, Letonja als künstlerische Leitung und die Schwankhalle als Ort. Eine gemeinsame Adresse macht Kompanie und Spielstätte nicht zu derselben Organisation.

Eine Kompanie bildet den Zusammenhang, in dem Tanz erarbeitet wird. Dazu gehören die Entwicklung von Bewegungsmaterial, die Zusammenarbeit der Beteiligten und die Gestaltung eines Stücks. Die Spielstätte stellt dagegen den räumlichen und betrieblichen Rahmen dar. Sie kann an einer Produktion beteiligt sein, ohne deren Choreografie zu verantworten.

Das Wort frei bedeutet in diesem Zusammenhang nicht regellos, kostenlos oder ohne professionelle Strukturen. Es ordnet die Arbeit außerhalb einer fest eingebundenen Tanzsparte eines Theaterhauses ein. Auch dort braucht es Proben, Absprachen und Entscheidungen darüber, was auf die Bühne kommt. Für dich als Zuschauer ist diese Unterscheidung hilfreich: Der Ort beantwortet, wo du etwas siehst; der Kompaniename zeigt, welchem künstlerischen Arbeitszusammenhang es zuzuordnen ist.

Probenaufzeichnungen bewahren Entscheidungen, doch eine Bewegung erhält ihre Wirkung erst durch den Körper, der sie ausführt.
Probenaufzeichnungen bewahren Entscheidungen, doch eine Bewegung erhält ihre Wirkung erst durch den Körper, der sie ausführt.

Künstlerische Leitung bedeutet nicht alleinige Ausführung

Die Leitung durch Helge Letonja bezeichnet bei steptext eine künstlerische Verantwortung. Daraus folgt jedoch nicht, dass jeder sichtbare Bewegungsimpuls allein am Schreibtisch des Choreografen entstanden sein muss. Zeitgenössische Tanzarbeit kann aus vorgegebenem Material, aus Aufgaben an die Tanzenden oder aus gemeinsam erprobten Varianten entstehen. Das sind mögliche Arbeitsweisen, keine Behauptung über eine bestimmte steptext-Probe.

Stell dir eine einfache Aufgabe vor: Zwei Menschen nähern sich, doch einer weicht kurz vor der Begegnung aus. Die choreografische Entscheidung betrifft das Verhältnis zwischen Annäherung und Rückzug. Die Ausführung macht daraus etwas Konkretes: ein zögernder Fuß, ein schneller Blick, eine Verzögerung im Oberkörper. Unterschiedliche Körper können derselben Vorgabe einen anderen Ausdruck geben.

Auch Wiederholung und Unterbrechung können einen Zusammenhang herstellen, ohne eine Geschichte nachzuerzählen. Das unterscheidet solche Möglichkeiten von einem ausdrücklich als Geschichte aufgebauten Schautanz. Wenn du eine Produktion einordnest, helfen deshalb zwei getrennte Gedanken: Wer verantwortet die Gestaltung, und wer bringt sie durch die eigene Interpretation zur Erscheinung? Beide Beiträge sind künstlerische Arbeit.

Woran du die Rollen erkennst

So ja

  • Kompanienamen der künstlerischen Arbeit zuordnen
  • Die Spielstätte als Ort der Aufführung lesen
  • Koproduktionspartner als Mitträger des Werks verstehen
  • Choreografie und Interpretation getrennt betrachten

So nicht

  • Kompanienamen für die Bezeichnung eines Gebäudes halten
  • Aus dem Aufführungsort auf die Urheberschaft schließen
  • Koproduktionspartner nur als Vermieter ansehen
  • Alle Entscheidungen allein der Leitung zuschreiben

Eine Bewegungsidee wird erst konkret, wenn ein Körper sie ausprobiert und dabei etwas anderes vorschlägt, als ich erwartet habe.

Choreografin für zeitgenössischen Tanz

Die Koproduktion zeigt Zusammenarbeit am einzelnen Werk

Ein konkretes Beispiel für die Zusammenarbeit von steptext und einem Theaterhaus ist die Koproduktion mit dem Theater Bremen von 2016: „Zwei Giraffen tanzen Tango, Bremer Schritte“ verband rekonstruierte Teile von Gerhard Bohners Stück mit einer neuen Choreografie von Helge Letonja. Das Beispiel zeigt, dass eine freie Kompanie und ein Theater gemeinsam ein Werk tragen können, ohne dadurch dieselbe Institution zu werden.

Hier kamen außerdem zwei Arten choreografischer Arbeit zusammen. Rekonstruktion richtet sich auf bereits vorhandenes Material und dessen erneute tänzerische Ausführung. Eine neue Choreografie trifft eigene gestalterische Entscheidungen. Ihre Verbindung ist deshalb nicht einfach die Wiederholung eines alten Stücks. Sie bringt überliefertes und neu geschaffenes Material in einen gemeinsamen Aufführungszusammenhang.

Schon beim Aufschreiben einer Tanzfolge merkst du, dass eine Notiz nicht sämtliche Bewegungsqualitäten festhält. Richtung und Reihenfolge lassen sich leichter benennen als Spannung oder Gewicht. Auf professioneller Ebene verlangt der Umgang mit früherem Material entsprechend künstlerische Entscheidungen. Die Bremer Koproduktion veranschaulicht damit sowohl Zusammenarbeit zwischen Organisationen als auch Arbeit zwischen Überlieferung und Neuschöpfung. Eine heutige Wiederaufnahme lässt sich daraus nicht ableiten.

Zwei Seiten gemeinsamer Tanzproduktion

Entwerfen

Eine künstlerische Linie entwickeln

Die Kompanie als Zusammenhang der Arbeit

Eine Kompanie verbindet die Arbeit an einzelnen Bewegungen mit einer Vorstellung vom gesamten Stück. Dabei können wiederkehrende Fragen entstehen: Wie begegnen sich Körper, wie verändert sich Nähe, wie lange trägt eine Wiederholung?

Ermöglichen

Ein Werk gemeinsam tragen

Die Koproduktion als Zusammenarbeit

Partner können Bedingungen schaffen, unter denen eine künstlerische Idee ausgearbeitet und gezeigt wird. Probenzeit, technische Arbeit und Organisation gehören dabei zur Produktion, auch wenn du diese Beiträge während der Aufführung nicht einzeln erkennst.

Häufige Fragen

  1. Nein, das Wort frei beschreibt hier die organisatorische Einordnung und nicht die Form jeder Bewegung. Eine freie Kompanie kann festgelegte Choreografien erarbeiten, Improvisation einsetzen oder beides verbinden. Auch scheinbar spontane Szenen können durch genaue zeitliche und räumliche Absprachen strukturiert sein.

Tanzkurse in Bremen

Wenn du Bewegung selbst ausprobieren möchtest, findest du hier Tanzkurse in Bremen, unabhängig von der vorgestellten Kompanie.

Vom Zuschauen zum Ausprobieren

Auf udansa findest du Tanzpartner in Bremen, mit denen du eigene Bewegungserfahrungen sammeln kannst. So wird aus deinem Interesse an Bühnenarbeit ein gemeinsamer Einstieg ins Tanzen.

Vom Zuschauen zum Ausprobieren