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Festivalkultur5 Minuten

Wie ImPulsTanz Wien mit Bühne und Austausch verbindet

Von Bernhard De LucaStand

Kurz gesagt
  • ImPulsTanz verbindet in Wien die Präsentation zeitgenössischen Tanzes mit praktischer Begegnung und künstlerischem Austausch.
  • Die Geschichte begann 1984 mit den Internationalen Tanzwochen, gegründet von Karl Regensburger und Ismael Ivo.
  • Zum dokumentierten Festivalformat gehörten internationale Aufführungen, Workshops für Profis und Einsteiger sowie kostenlose Klassen im Freien.
  • Bühne und gemeinsame Bewegungspraxis eröffnen unterschiedliche Zugänge zu denselben künstlerischen Fragen.

Wenn du Tanz nur als fertiges Bühnenstück kennst, bleibt seine Entstehung oft unsichtbar. Ein Festival kann auch die Arbeit an Bewegung öffentlich zugänglich machen, ohne jede Begegnung zur Vorstellung zu erklären.

DefinitionKünstlerischer Austausch

Künstlerischer Austausch bezeichnet das gegenseitige Weitergeben und Weiterentwickeln von Ideen, Arbeitsweisen und Erfahrungen zwischen Kunstschaffenden. Im Tanz kann das durch Gespräche, gemeinsames Bewegen und das Ausprobieren unterschiedlicher körperlicher Lösungen geschehen.

Die Tanzwochen verbanden Lernen und Öffentlichkeit

Die Geschichte von ImPulsTanz in Wien begann 1984: Karl Regensburger und Ismael Ivo gründeten die Internationalen Tanzwochen. Seit 1988 trägt das Festival den Namen ImPulsTanz. Diese Herkunft hilft, seine Verbindung von Aufführungen und Bewegungspraxis zu verstehen. Der Begriff Tanzwochen lenkt den Blick nicht nur auf einzelne Bühnenabende, sondern auch auf eine gemeinsame Zeit der Beschäftigung mit Tanz.

Zum dokumentierten Festivalformat gehörte ein Zeitraum im Juli und August von bis zu fünf Wochen. Beschrieben wurden rund 160 Workshops für Profis und Einsteiger sowie internationale Produktionen, Uraufführungen und österreichische Erstaufführungen. Diese Angaben charakterisieren die überlieferte Gestaltung, nicht das verbindliche Angebot einer kommenden Ausgabe.

Die Begriffe unterscheiden verschiedene Arten von Öffentlichkeit: Eine Uraufführung ist die erste öffentliche Aufführung eines Werkes überhaupt. Eine österreichische Erstaufführung bringt eine bereits andernorts gezeigte Arbeit erstmals vor Publikum in Österreich. Workshops wiederum machen körperliche Arbeitsweisen zugänglich. Das Festivalformat stellt damit Präsentation und gemeinsames Arbeiten nebeneinander, ohne sie gleichzusetzen. Eine Aufführung muss kein Workshop-Ergebnis sein; ein Workshop muss keine spätere Produktion vorbereiten.

Ein frei zugängliches Bewegungsangebot senkt die Zugangsschwelle, ohne den Tanz auf einfache Übungen zu reduzieren.
Ein frei zugängliches Bewegungsangebot senkt die Zugangsschwelle, ohne den Tanz auf einfache Übungen zu reduzieren.

Austausch ist kein einheitlicher Festivalstil

Ein internationales Tanzfestival führt nicht zwangsläufig zu einer gemeinsamen Bewegungssprache. Zeitgenössischer Tanz ist kein festes Repertoire, das alle Beteiligten identisch beherrschen müssen. Künstlerische Arbeiten können sich darin unterscheiden, wie sie Bewegung entwickeln, mit Musik umgehen oder Zusammenarbeit organisieren. Internationaler Austausch bietet die Möglichkeit, solche Unterschiede praktisch kennenzulernen, statt sie nur als Herkunftsangaben im Programm zu lesen.

Eine allgemeine Situation macht das greifbar: Eine Person entwickelt eine Bewegung aus dem Gewicht des Arms, eine andere beginnt mit einem Schritt, eine dritte mit einer Pause. Im gemeinsamen Arbeiten können sie ihre Ausgangspunkte zeigen und verändern. Dafür braucht es keine abschließende Einigung darüber, welche Lösung richtig ist. Entscheidend ist, dass die Arbeitsweise für andere nachvollziehbar wird.

Auf der Bühne erhält eine künstlerische Entscheidung dagegen eine bestimmte öffentliche Form. Wie stark ein Aufführungsrahmen die Begegnung mit Tanz beeinflusst, zeigt auch die Erklärung zum Tablao als kleiner Flamenco-Bühne, bei einem anderen Tanz und Format. Für das Verständnis von ImPulsTanz zählt diese Unterscheidung: Präsentation schafft konzentrierte Aufmerksamkeit, Austausch eröffnet Möglichkeiten zur Veränderung. Beides kann sich ergänzen, ohne denselben Zweck zu erfüllen.

Woran du die Festivalidee erkennst

Stimmt

  • Aufführungen als eigenständige künstlerische Arbeiten verstehen
  • Workshops auch als Orte des Austauschs einordnen
  • Internationalität an unterschiedlichen Arbeitsweisen erkennen
  • Kostenlose Klassen als zusätzlichen Zugang verstehen

Mythos

  • Aufführungen sind bloß Vorführungen der Workshop-Ergebnisse
  • Workshops dienen ausschließlich dem Nachlernen von Schritten
  • Internationalität bedeutet einen einheitlichen Tanzstil
  • Kostenlose Klassen ersetzen das gesamte Festivalangebot

Ein Festival macht nicht nur fertige Arbeiten sichtbar, sondern kann auch Raum für die Fragen schaffen, aus denen Tanz entsteht.

udansa-Redaktion

Öffnung heißt nicht, dass alle dasselbe tun

Zu der dokumentierten Gestaltung von ImPulsTanz gehörten unter dem Titel Public Moves kostenlose Klassen im Freien. Neben Aufführungen und Workshops entstand damit eine weitere Zugangsmöglichkeit. Ein Bewegungsangebot außerhalb geschlossener Räume kann auch Menschen erreichen, die nicht zuerst einen Bühnenabend oder einen längeren Lernzusammenhang wählen würden. Das beschreibt eine Funktion des Formats, keine Zusage über künftige Angebote.

Profis und Einsteiger bringen unterschiedliche körperliche Erfahrungen mit. Das muss Begegnung nicht verhindern: Eine einfache Bewegungsaufgabe kann für eine unerfahrene Person Orientierung schaffen und für eine erfahrene Person Anlass sein, eine Gewohnheit zu verändern. Zugänglichkeit bedeutet deshalb nicht, dass künstlerische Fragen verschwinden. Sie bedeutet, dass der Einstieg nicht ausschließlich über Fachsprache oder vorhandene Technik erfolgt.

Für dich in Wien lässt sich die Festivalidee so einordnen: Du kannst Tanz als Publikum begegnen, selbst körperliche Erfahrungen sammeln oder über Arbeitsweisen ins Gespräch kommen. Das sind verschiedene Beziehungen zum Tanz, keine Rangfolge. Auch Tanzunterricht ohne feste Begleitung in Wien zeigt in einem anderen Zusammenhang, dass gemeinsames Lernen nicht an ein bestehendes Paar gebunden ist. Beim Festival erweitert diese Offenheit den Kreis der Menschen, die sich mit künstlerischer Bewegung auseinandersetzen können.

Zwei Formen der Begegnung

Bühne

Eine Arbeit wird öffentlich

Künstlerische Entscheidungen erhalten eine Form

Bei einer Aufführung begegnet dir eine gestaltete Arbeit mit ihrer eigenen Dauer und Anordnung. Du musst sie nicht selbst ausführen, um dich mit ihr auseinanderzusetzen. Abstand ermöglicht Aufmerksamkeit für Entscheidungen, die im eigenen Bewegen schwerer wahrzunehmen wären.

Austausch

Eine Idee bleibt veränderbar

Erfahrungen kommen miteinander ins Gespräch

Im Austausch darf eine Bewegungsidee noch offen sein. Andere Körper, Erfahrungen und Einwände können ihre Richtung verändern. Die Nähe zur Entstehung lässt dich nachvollziehen, warum verschiedene Menschen aus derselben Aufgabe unterschiedliche Lösungen entwickeln.

Häufige Fragen

  1. Ja, Vienna International Dance Festival ist die internationale Bezeichnung von ImPulsTanz. Sie verweist auf den Festivalcharakter und die internationale Ausrichtung. Der Name bezeichnet keinen eigenen Tanzstil und auch kein separates Unterrichtsangebot neben dem Festival.

Über Tanz ins Gespräch kommen

Auf udansa findest du Menschen in Wien, mit denen du eine Tanzveranstaltung besuchen und danach Eindrücke austauschen kannst. So bleibt eine Aufführung nicht nur ein Abend, den du allein einordnest.

Über Tanz ins Gespräch kommen