Die russische Präzision trifft auf amerikanischen Elan
Wer mit dem klassischen Ballett beginnt, merkt schnell, dass es nicht die eine, allgemeingültige Technik gibt. Historisch haben sich in verschiedenen Ländern eigene Unterschiede zwischen den Ballett-Lehrmethoden entwickelt, die bis heute die Ausbildung prägen. Die bekannteste und im deutschsprachigen Raum am weitesten verbreitete Methode ist das russische Waganowa-System. Entwickelt von Agrippina Waganowa, verbindet diese Schule die lyrische, weiche Armarbeit der französischen Tradition mit der athletischen Beinarbeit der italienischen Schule. Das Ziel ist ein harmonisches Zusammenspiel des gesamten Körpers, bei dem jede Bewegung aus der stabilen Körpermitte initiiert wird.
Im krassen Gegensatz dazu steht der Balanchine-Stil, der Mitte des 20. Jahrhunderts in den USA von George Balanchine begründet wurde. Hier weicht die strenge Symmetrie einer extremen Dynamik und Schnelligkeit. Die Tänzer nutzen oft ein extremes Auswärts und bewegen sich abseits der klassischen Achse, um der modernen, oft rasanten Musik voraus zu sein. Während Waganowa auf Perfektion und fließende Übergänge setzt, sucht Balanchine die absolute, fast sportliche Grenzerfahrung auf der Bühne.



