Ein Wort für Wirkung, nicht für eine Figur
Wenn jemand nach einem Flamenco-Auftritt sagt, eine Sängerin oder ein Tänzer habe Duende gehabt, ist damit gewöhnlich keine überprüfbare Einzelleistung gemeint. Das Wort würdigt einen Moment, der als eindringlich, gegenwärtig oder überraschend empfunden wurde. Es kann sich auf eine Stimme, Gitarrenspiel oder Tanz beziehen. Eine festgelegte Bewegung mit diesem Namen gibt es nicht.
Stell dir eine Passage vor, in der nach dichter Fußarbeit plötzlich wenig geschieht. Der Gesang bleibt hörbar, eine Bewegung verzögert sich, die Aufmerksamkeit verändert sich. Du kannst beschreiben, was passiert. Ob du dafür Duende sagst, ist bereits eine Deutung. Eine andere Person kann dieselbe Stelle konzentriert, aber nicht außergewöhnlich finden.
Die beobachtbare Gestaltung und ihre erlebte Wirkung sind zwei verschiedene Dinge. Rhythmische Sicherheit lässt sich am Compás besprechen; der Eindruck eines besonderen Moments lässt sich nicht auf dieselbe Weise abhaken. Auch Gefühle durch Tanzen auszudrücken bedeutet nicht automatisch, dass jede persönliche Regung beim Publikum ankommt. Duende benennt in diesem Sprachgebrauch eine Zuschreibung zur Darbietung, nicht den nachgewiesenen Gefühlszustand eines Menschen.

