Sevillanas haben eine eigene gesellschaftliche Form
Sevillanas sind ein andalusischer Gesangs- und Gesellschaftstanz, dessen historische Entwicklung mit den Seguidillas verbunden ist. Der Name verweist auf Sevilla, die Praxis reicht aber über die Stadt hinaus. Besonders bekannt sind sie aus andalusischen Festzusammenhängen. Dort können Menschen miteinander tanzen, weil sie eine gemeinsame Form kennen, nicht weil sie vorher eine gemeinsame Bühnennummer einstudiert haben.
Eine vollständige Folge besteht üblicherweise aus vier Coplas. Jede hat ihre eigene Tanzfolge mit einem klaren Abschluss. Zwischen den Coplas gibt es kurze Unterbrechungen beziehungsweise neue musikalische Einsätze. Das unterscheidet die Form von einem beliebig langen Durchtanzen mit spontan aneinandergereihten Figuren. Die Reihenfolge ist ein gemeinsamer Orientierungspunkt, auch wenn Ausführungen variieren.
Als Paartanz brauchen Sevillanas normalerweise keine geschlossene Tanzhaltung. Du tanzt dem Gegenüber zugewandt, begegnest ihm und veränderst deine Position im Raum. Beide Beteiligten kennen dabei ihren Ablauf. Ein Platzwechsel innerhalb der Tanzfolge ist deshalb noch kein Wechsel der Person, mit der du tanzt. Diese soziale Funktion verbindet Sevillanas mit anderen gemeinschaftlich getanzten Volkstanzformen, ohne ihre eigene musikalische und tänzerische Gestalt aufzuheben.

