Die theatralische Lebensfreude der Hafenstadt Alexandria
Der Eskandarani ist ein faszinierendes Phänomen der ägyptischen Tanzgeschichte. Er entstand in der mediterranen Hafenmetropole Alexandria und unterscheidet sich grundlegend von den klassischen, oft melancholischen oder hochgradig feierlichen Stilen des Raqs Sharqi. Im Zentrum steht das kokette, theatralische Spiel mit dem Melaya-Schleiertuch. Historisch gesehen ist die Melaya Laff ein schweres, schwarzes Baumwolltuch, das den Frauen im Alexandria des frühen 20. Jahrhunderts als wärmender und schützender Überwurf im Alltag diente. Auf der Bühne verwandelte sich dieses Kleidungsstück durch die Pionierarbeit von Tanzlegenden und Choreografen wie Mahmoud Reda in ein hocheffektives Requisit des humorvollen Flirts.
Im Gegensatz zu anderen Stilen, bei denen der Schleier oft nur kurz als Einzugselement genutzt wird, bleibt die Melaya beim Eskandarani das gesamte Stück über im Fokus. Die Tänzerin wickelt sich ein, lässt das Tuch scheinbar zufällig von den Schultern gleiten, rafft es kokett um die Hüften oder nutzt es, um ihr Gesicht spielerisch zu verbergen und im nächsten Moment mit einem strahlenden Lächeln wieder hervorzulugen. Typisch für diese ägyptische Folklore sind auch die Requisiten der Kostümierung, wie ein kurzes, buntes Kleid mit Rüschen, auffälliger Schmuck und manchmal sogar bunte Plastik-Pantoletten mit Absatz, die das Bild einer selbstbewussten, modernen Frau aus der Hafenstadt unterstreichen. Wer den spielerischen Umgang mit Stoffen schätzt, findet im Schleiertanz im Bauchtanz weitere Inspirationen für fließende Bewegungen.






