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Schritttechnik6 Minuten

Wenn im Walzer Schritte zu groß werden

Von Bernhard De LucaStand

Kurz gesagt
  • Ein Walzerschritt ist zu groß, wenn du sein Ende nur mit Nachziehen oder Ausweichen erreichst.
  • Kurze Wiederholungen derselben bekannten Folge zeigen dir, auf welcher Zählzeit du zu viel Strecke machst.
  • Verkleinere zunächst nur diesen Schritt und behalte Schrittzahl, Reihenfolge und Zählzeiten unverändert bei.
  • Eine passende Schrittlänge erlaubt dir, dein Gewicht ohne Rettungsschritt auf den neuen Fuß zu übernehmen.

Ein Walzer kann großzügig aussehen, obwohl die Füße weniger Strecke zurücklegen, als du vermutest. Wer die sichtbare Weite eines erfahrenen Paares nachahmt, übernimmt leicht einen Weg, für den die eigene Bewegung noch nicht ausreicht.

DefinitionGewichtsübernahme

Gewichtsübernahme bedeutet, dass der neu gesetzte Fuß dein Körpergewicht trägt und der bisher belastete Fuß frei werden kann. Ein Fuß kann bereits am Boden stehen, ohne diese Aufgabe schon übernommen zu haben.

Zu weit ist ein Verhältnis, keine feste Länge

Ein langer Schritt ist nicht automatisch falsch. Zu groß wird er für dich, wenn Fuß und Körper nicht mehr zusammen ankommen: Der Fuß steht schon weit vorn, hinten oder seitlich, während dein Gewicht noch beim Ausgangsfuß bleibt. Dann musst du dich nachziehen, den Oberkörper vorauswerfen oder den Abstand mit einer ungeplanten Bewegung überbrücken. Diese Reaktion ist aussagekräftiger als die Entfernung auf dem Boden.

Betrachte dafür eine Folge, die du bereits kennst, zum Beispiel eine geschlossene Folge im Langsamen Walzer. Vorwärts- oder Rückwärtsschritt, Seitwärtsschritt und Schließen haben verschiedene Aufgaben. Die Schritte müssen deshalb nicht gleich lang sein. Besonders ein weit geöffnetes Seitwärtssetzen kann mehr Weg erzeugen, als du anschließend bequem übernehmen kannst. Auch der erste Schritt kann überzogen sein, wenn du den Fuß weit wegsetzt und erst danach den Körper bewegst.

Dass du am Ende einer Folge etwas korrigieren musst, verrät noch nicht, wo die Ursache liegt. Sie kann früher entstanden sein. Falls dagegen nur das vollständige Heranführen fehlt, hilft die Erklärung zum Schließen der Füße im Walzer. Das ist eine andere Aufgabe als die Länge des vorausgehenden Weges.

Auf rauem Untergrund fällt ein Vergleich anders aus: Übungsbedingungen beeinflussen, wie weit du kontrolliert tanzen kannst.
Auf rauem Untergrund fällt ein Vergleich anders aus: Übungsbedingungen beeinflussen, wie weit du kontrolliert tanzen kannst.

Kurze Wiederholungen machen den Ausreißer sichtbar

Eine lange Tanzrunde verschleiert den auffälligen Schritt: Du wechselst Richtungen, erinnerst dich an Figuren und passt dich laufend an. Zwei Takte einer vertrauten Folge sind als Vergleich überschaubarer. Die zwei Takte sind ein Übungsrahmen, keine technische Vorschrift. Du brauchst darin nur genügend Bewegung, um die Wirkung des verdächtigen Schrittes zu erleben.

Wiederhole denselben Ausschnitt vom gleichen Ausgangspunkt und zähle hörbar. Die Zählzeit hilft dir, ein Gefühl einem bestimmten Schritt zuzuordnen. Vielleicht wirkt die eins noch ruhig, auf zwei entsteht eine breite Stellung und danach musst du dich heranziehen. Dann ist die zwei ein sinnvoller Kandidat. Fühlst du dich schon nach der eins gestreckt, beginnt die Suche dort.

Ein einzelner Versuch beweist wenig. Taucht dieselbe Schwierigkeit bei mehreren gleichartigen Wiederholungen auf, wird die Zuordnung verlässlicher. Für den Vergleich setzt du nur den verdächtigen Schritt etwas näher. Die übrige Folge bleibt zunächst unverändert. Verschwindet die Ausgleichsbewegung, spricht das dafür, dass die Länge an dieser Stelle nicht zu deiner derzeitigen Bewegung passte.

Mehrere Schwierigkeiten gleichzeitig zu bearbeiten macht das Ergebnis unklar. Weitere getrennte Aufgaben findest du im Überblick zum Üben bekannter Walzerfolgen.

Woran du eine sinnvolle Verkürzung erkennst

So ja

  • Dieselbe Folge vom selben Ausgangspunkt wiederholen
  • Nur den auffälligen Schritt kürzer setzen
  • Die vorhandenen Zählzeiten beibehalten
  • Den neuen Fuß belasten, ohne nachzuhüpfen

So nicht

  • Bei jedem Versuch eine andere Figur tanzen
  • Die gesamte Folge auf einmal zusammenschieben
  • Mit einem zusätzlichen Schritt Zeit gewinnen
  • Den Fuß weit setzen und das Gewicht hinterherwerfen

Wenn du den Schritt nur mit einem kleinen Hüpfer zu Ende bekommst, war der Fuß wahrscheinlich weiter weg als nötig.

Tanzlehrkraft für Standardtänze

Weniger Strecke lässt die bekannte Folge bestehen

Eine verkürzte Variante ist gelungen, wenn du dieselbe Folge wiedererkennst. Du setzt die Füße in derselben Reihenfolge, wechselst das Gewicht an den vorgesehenen Stellen und brauchst keinen zusätzlichen Schritt. Kürzer bedeutet hier, den Zielpunkt eines Fußes näher zu wählen. Es bedeutet nicht, den Fuß nur anzutippen und das Gewicht auf dem alten Bein zu lassen.

Die Veränderung muss nicht maximal sein. Wenn du einen weiten Seitwärtsschritt sofort auf eine winzige Bewegung reduzierst, veränderst du womöglich auch die Gestalt der Figur. Ein etwas näher gesetzter Fuß liefert den besseren Vergleich. Bleibt die Bewegung kontrollierbar, hast du eine brauchbare Übungslänge gefunden. Wird die Folge dadurch hastig oder undeutlich, war die Verkürzung zu stark oder die Länge nicht die eigentliche Ursache.

Im Paar müssen die Wege zusammenpassen, aber nicht nach einem Lineal identisch sein. Körpergröße und Aufgabe in der Figur unterscheiden sich. Aus einer gelungenen Verkürzung bei einer Person folgt deshalb nicht automatisch dieselbe Änderung bei der anderen. Besprecht die Beobachtung über den betreffenden Schritt, nicht als pauschales „Du tanzt zu groß“.

Mit Musik zeigt sich schließlich, ob die Variante auch bei eurem vertrauten Tempo trägt. Deine Schrittlänge darf sich mit wachsender Kontrolle wieder entwickeln. Die kleine Variante ist ein Vergleichswerkzeug, keine dauerhafte Obergrenze.

Zwei Perspektiven auf dieselbe Schrittlänge

Solo

Den eigenen Weg spüren

Ohne Anpassung an eine zweite Person

Allein bemerkst du leichter, ob du einem weit gesetzten Fuß hinterhermusst. Die bekannte Folge bleibt dabei vollständig erhalten. Der Versuch zeigt deine eigene Reichweite, sagt aber noch nicht, wie sich die Bewegung zu zweit anfühlt.

Paar

Den gemeinsamen Weg erleben

Mit der Bewegung der anderen Person

Zu zweit merkst du, ob die kürzere Variante für euch beide tragfähig ist. Beide behalten ihre gelernten Aufgaben bei. Eine passende Lösung fühlt sich gemeinsam ruhig an, auch wenn eure einzelnen Schritte nicht exakt gleich lang sind.

Häufige Fragen

  1. Für Walzerschritte gibt es keine allgemein passende Zentimeterlänge. Körpergröße, Beweglichkeit, Tempo und die bekannte Figur beeinflussen den Weg. Entscheidend ist, ob du dein Gewicht auf den gesetzten Fuß übernehmen kannst, ohne dich hinterherzuziehen oder einen zusätzlichen Schritt zu benötigen.

Standardkurse für kontrollierte Walzerschritte

Du kannst bekannte Walzerfolgen im Kurs festigen und ihre Schrittlänge passend zu deinem Können entwickeln.

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