Das Geflecht entsteht gemeinsam
Auf udansa connect findest du andere Erwachsene für Volkstanz und gemeinsame Proben. Mit einer festen Gruppe kannst du Begegnungswege und das Auflösen des Bandgeflechts erarbeiten.
Von Mary De LucaStand
Auf udansa connect findest du andere Erwachsene für Volkstanz und gemeinsame Proben. Mit einer festen Gruppe kannst du Begegnungswege und das Auflösen des Bandgeflechts erarbeiten.
Als Beispiel dient hier der oberbayerische Bandltanz in einer gegenläufigen Flechtfassung, wie er im Repertoire von Trachtengruppen vorkommt. Damit ist keine überall verbindliche Ortsfassung behauptet: Besetzung, Musik und zusätzliche Figuren können sich unterscheiden. Beschrieben wird der Flechtteil einer erwachsenen Gruppe, nicht eine vereinfachte Kinderchoreografie.
Die Grundordnung umfasst zwei Laufrichtungen, ein Band je Person und zwei Abschnitte: Flechten und Auflösen. Die Bänder sind oben am Baum befestigt. Wenn du einer entgegenkommenden Person begegnest, entscheidet euer Weg darüber, welches Band an dieser Stelle über dem anderen liegt. Bei der folgenden Begegnung wechselt diese Anordnung. So entsteht aus fortlaufenden Kreuzungen ein Geflecht statt einer bloßen Wicklung.
Die Arme schaffen die Öffnung, die Füße führen die Kreuzung aus. Nur ein Band hochzuheben genügt nicht, wenn beide Personen auf derselben Seite aneinander vorbeigehen. Wer rechts und links beim Tanzen verwechselt, kann sich deshalb zunächst an der nächsten Begegnung orientieren, nicht an einer langen Wortfolge.
Die sichtbare Ordnung hängt von der ganzen Gruppe ab. Anders als bei einem frei geführten Paar kann niemand spontan eine zusätzliche Runde einschieben. Auch bei Formationswechseln im Showtanz müssen Wege gemeinsam funktionieren; beim Bandltanz bleibt eine Abweichung jedoch zusätzlich als materielle Kreuzung im Geflecht erhalten.

Ordne dich einer der beiden gegenläufigen Reihen zu und übernimm dein Band. In dieser Flechtfassung wechseln sich die Reihen in der Ausgangsaufstellung ab. Merke dir deine Nachbarn und deine Blickrichtung, denn beides hilft dir, später die Rückkehr zur Ausgangsordnung zu erkennen.
Gehe mit leicht gespanntem Band auf deiner Kreisbahn los. Halte den Arm beweglich, statt das Band mit steifem Ellbogen zu ziehen. Der Abstand soll so viel Spielraum lassen, dass du eine Begegnung passieren kannst, ohne das gegenüberliegende Band aus dessen Bahn zu reißen.
Führe die für deine Position festgelegte erste Kreuzung aus: Dein Band geht über das entgegenkommende Band oder darunter hindurch. Hebe beim Überweg rechtzeitig den Arm. Beim Unterweg gehst du durch die angebotene Öffnung, statt den Kopf gegen ein gespanntes Band zu drücken.
Wechsle gegenüber der nächsten entgegenkommenden Person von über zu unter oder von unter zu über. Behalte dabei deine Kreisrichtung bei. Richte deinen Blick schon vor der Kreuzung auf diese Person, damit ihr die Öffnung gemeinsam herstellt und nicht erst im letzten Moment ausweicht.
Führe die Begegnungen bis zum vereinbarten Ende des Flechtabschnitts fort. Wende gemeinsam mit der Gruppe, solange die freien Bandenden noch ausreichend Bewegungsraum lassen. Bleibe bei deinem Band und behalte im Blick, mit wem deine letzte Kreuzung entstanden ist, bevor du zurückgehst.
Gehe auf dem eben zurückgelegten Weg zurück und löse zuerst die letzte Begegnung. Rekonstruiere deren Öffnung, statt automatisch ein neues Über-Unter-Muster zu beginnen. Entscheidend ist die Umkehr dieser konkreten Kreuzung: Das zuletzt verflochtene Bandpaar muss zuerst wieder voneinander frei werden.
Nimm die übrigen Begegnungen in umgekehrter Reihenfolge zurück und halte den Zug auf deinem Band leicht. Am Ende hängen die Bänder wieder getrennt, und die ursprüngliche Nachbarschaft ist erreicht. Bleibt eine Kreuzung stehen, stoppe dort, statt den Rest durch kräftiges Ziehen lösen zu wollen.
Bandltanz ist eine bayerische Bezeichnung für einen Bändertanz, aber damit ist nicht überall dieselbe Choreografie gemeint. Bei der hier beschriebenen oberbayerischen Flechtfassung steht das Überkreuzen der Bänder am Baum im Mittelpunkt. Der Name allein legt weder eine feste Melodie noch sämtliche Figuren oder die Zahl der Tanzenden fest.
Für die Flechtbewegung brauchst du keinen frisch aufgestellten Maibaum, sondern einen geeigneten, standsicheren Bandbaum. Die Bänder müssen oben befestigt sein und frei zur Gruppe laufen können. Ein hoher, geschmückter Ortsmaibaum und ein eigens für den Tanz verwendeter Baum erfüllen unterschiedliche Aufgaben; nicht jeder Maibaum eignet sich als Tanzgerät.
Die hier erklärte Gegenlauffassung braucht eine gerade Zahl von Tanzenden, verteilt auf zwei gleich große Reihen. Eine für alle bayerischen Fassungen verbindliche Besetzungszahl lässt sich daraus nicht ableiten. Mehr Personen bedeuten mehr Begegnungen und benötigen genügend Platz am Baum sowie passende Bandlängen, damit die Wege ohne Gedränge ausgeführt werden können.
Passend ist die Musik der jeweiligen überlieferten Tanzfassung, mit einem gut hörbaren Puls und klaren Abschnitten. Ein beliebiges schnelles Volksmusikstück ersetzt diese Zuordnung nicht. Für die Flechtwege ist wichtig, dass die Gruppe gleichmäßig vorankommt und den Wendepunkt gemeinsam erreicht; Schrittgestaltung und genaue Zählzeiten richten sich nach der gewählten Fassung.
Die frei gehaltenen Bandstücke werden kürzer, weil zunehmend Bandlänge im Geflecht am Baum gebunden ist. Das ist zunächst kein Fehler. Du brauchst deshalb während des Flechtens einen anpassungsfähigen Abstand zum Baum. Wenn du deinen ursprünglichen großen Kreis unverändert halten willst, entsteht unnötiger Zug, der die anderen Personen bei ihren Begegnungen behindert.
Halte die Gruppe an und entlaste die betroffenen Bänder, statt den Knoten durch Weitergehen festzuziehen. Verfolge die letzte fehlerhafte Kreuzung und nimm sie auf demselben Weg zurück. Ein ausgelassener Seitenwechsel, eine zusätzliche Umrundung oder ein verdreht gehaltenes Band können ähnlich aussehen, verlangen aber jeweils die Rücknahme des tatsächlich entstandenen Fehlers.