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Tanzformationen5 Minuten

Norddeutsche Volkstänze und ihre wechselnden Formationen

Von Bernhard De LucaStand

Kurz gesagt
  • In den ausgewählten Fassungen reicht die räumliche Ordnung vom bleibenden Kreis bis zum wechselnden Gegenpaar.
  • Die Vergleichsfolge lautet Siebensprung, Windmüller, Tampet und Föhrer Kontra, mit zunehmend verzahnten Gruppenbeziehungen.
  • Entscheidend sind unterschiedliche Raumordnungen und Anschlusswege, nicht die Zahl aller Schritte oder Wiederholungen.
  • Die Reihenfolge gilt für diese Fassungen, nicht für jede regionale Variante unter demselben Tanznamen.

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Eine Drehung kannst du sauber ausführen und trotzdem am falschen Platz ankommen. Bei Gruppentänzen entscheidet auch der Weg zurück, ob die anderen ihre nächste Begegnung finden.

DefinitionFormationswechsel

Formationswechsel bezeichnet den Übergang einer Tanzgruppe von einer räumlichen Anordnung in eine andere. Eine Drehung innerhalb eines unveränderten Kreises ist deshalb noch kein Formationswechsel.

Die Fassung bestimmt, was der Tanzname bedeutet

Norddeutsche Volkstänze sind kein einheitliches Bewegungssystem. Kreisformen, Figurentänze und Kontratänze stehen nebeneinander. Manche Namen begegnen dir auch außerhalb Norddeutschlands: Siebensprung ist beispielsweise nicht ausschließlich norddeutsch, und Tampet gehört zu einer überregional verbreiteten Kontratanztradition. Eine regionale Fassung ist deshalb aussagekräftiger als die Behauptung, ein Name habe überall denselben Ablauf.

Für diesen Vergleich stehen vier räumlich bezeichnete Fassungen: der Siebensprung als schleswig-holsteinische Kreisfassung, Windmüller als norddeutsche Vierpaarfassung mit Mühlenfigur, Tampet als norddeutsche fortschreitende Gegenpaarfassung und Föhrer Kontra als Vierpaarfassung von Föhr. Diese Bezeichnungen legen den betrachteten Rahmen fest, ersetzen aber keine vollständige Tanzaufzeichnung.

Gezählt werden hier unterschiedliche Arten der Neuordnung, nicht sämtliche Wiederholungen einer Figur. Ein Kreis kann mehrfach herumgehen und bleibt dennoch ein Kreis. Auch ein Handwechsel innerhalb einer Mühle erzeugt nicht zwangsläufig eine neue Aufstellung. Anders ist es, wenn du nach einer Figur mit einem anderen Gegenpaar zusammentriffst. Dass Wege ein eigenes Gestaltungsmittel sind, zeigt auch der Bandltanz mit seinen Flechtwegen, allerdings unter ganz anderen räumlichen Bedingungen.

Auch am Rand wird die Raumordnung gelernt: Zuschauen zeigt Wege, die mitten in der Figur verborgen bleiben.
Auch am Rand wird die Raumordnung gelernt: Zuschauen zeigt Wege, die mitten in der Figur verborgen bleiben.

Vier Fassungen, geordnet nach räumlichem Aufwand

  1. Siebensprung, schleswig-holsteinische Kreisfassung: Die gemeinsame Kreisordnung bleibt der Bezugspunkt. Zwischen den Tanzteilen stehen zunehmend ergänzte Bewegungsmotive. Der Umfang der Bewegungsfolge wächst, die Gruppe muss dafür aber nicht immer neue Gegenüber oder Plätze finden. Er steht deshalb am Anfang des Vergleichs.
  2. Windmüller, norddeutsche Vierpaarfassung mit Mühlenfigur: Zur Paarordnung kommt eine gemeinsame sternartige Handverbindung. Die Mühle bündelt mehrere Personen um eine Mitte; anschließend lösen sie diese Verbindung wieder. Gegenüber Siebensprung kommt damit ein zusätzlicher Formationstyp hinzu, samt Übergang hinein und zurück.
  3. Tampet, norddeutsche fortschreitende Gegenpaarfassung: Zwei Paare bilden zunächst eine kleine Gegenüberstellung innerhalb einer längeren Reihe. Nach dem Figurenabschnitt geht die Verbindung mit einem nächsten Gegenpaar weiter. Der besondere Aufwand entsteht durch dieses Fortschreiten: Du brauchst nicht nur einen Abschluss, sondern auch einen räumlichen Anschluss.
  4. Föhrer Kontra, Föhrer Vierpaarfassung: Die geschlossene Vierpaaraufstellung verbindet mehrere Figurenbeziehungen innerhalb derselben Gruppe. Eigenes Paar, Gegenpaar und gemeinsame Mitte bilden unterschiedliche Bezugspunkte. Im Vergleich verlangt diese Fassung die am stärksten verzahnte Orientierung, auch wenn die Gruppe ihre äußere Grundaufstellung wiederfindet.

Das ist eine qualitative Ordnung nach Formationstypen und Anschlusskomplexität, keine Rangliste nach Schwierigkeit aller Schritte. Tampet kann durch das fortgesetzte Weiterwandern auf einer langen Fläche anspruchsvoller wirken als ein Kontra mit vertrauter Figurenfolge.

So erkennst du den räumlichen Unterschied

So ja

  • Kreisbewegung und Auflösung des Kreises getrennt betrachten
  • Beim Stern Handverbindung und anschließenden Platz beachten
  • Beim Tampet die nächste gegenüberstehende Gruppe mitdenken
  • Beim Kontra Ausgangsplatz und Gegenpaar unterscheiden

So nicht

  • Jede Kreisrunde als neue Formation zählen
  • Jede Drehung der Mühle als neue Raumordnung zählen
  • Beim Tampet nur die eigene Paardrehung betrachten
  • Beim Kontra jede Figur als Partnerwechsel bezeichnen

Eine Figur ist räumlich erst abgeschlossen, wenn auch die nächste Begegnung wieder ihren Platz hat.

Redaktioneller Merksatz zur Volkstanzpraxis

Viele Figuren bedeuten nicht viele neue Aufstellungen

Beim Beobachten fallen schnelle Füße und große Drehungen zuerst auf. Die eigentliche räumliche Aufgabe ist oft leiser: Eine Hand wird freigegeben, ein Gegenpaar sichtbar, eine Lücke zum nächsten Ausgangspunkt. Darum lässt sich die Komplexität nicht zuverlässig aus Tempo oder Figurenanzahl ableiten.

Beim Windmüller ist der Eintritt in die gemeinsame Mühle bedeutsamer als deren zweite Umdrehung. Beim Tampet kann eine kurze Weiterbewegung die Gruppenbeziehung stärker verändern als ein längerer Figurenabschnitt. Beim Föhrer Kontra bleibt die äußere Aufstellung erkennbar, obwohl sich innerhalb ihrer Grenzen mehrere Zuordnungen ablösen. Siebensprung wiederum fordert körperlich und im Gedächtnis, ohne deshalb räumlich an die Spitze zu rücken.

Für dich ergeben sich zwei getrennte Fragen: Wie anspruchsvoll ist die Bewegung, und wie anspruchsvoll ist die Orientierung? Bei Letzterer helfen sichtbare Bezugspunkte mehr als zusätzliche Schrittbegriffe. Wenn dir Richtungsbezeichnungen schwerfallen, ergänzen die Übungen gegen Rechts-links-Verwechslungen diesen räumlichen Blick. Eine konkrete Tanzaufzeichnung bleibt nötig, sobald du nicht nur vergleichen, sondern eine bestimmte Fassung vollständig tanzen möchtest.

Zwei Arten, räumlich den Überblick zu behalten

Platz

Die Formation kehrt zu dir zurück

Orientierung an einem festen Ausgangspunkt

In einer geschlossenen Vierpaaraufstellung bleibt dein Ausgangsplatz ein verlässlicher Bezug. Du kannst unterwegs mehrere Beziehungen aufnehmen und trotzdem wissen, wohin die Gruppe zurückkehrt. Die Herausforderung liegt darin, den Platz nach einer bewegten Figur rechtzeitig wiederzufinden.

Begegnung

Die Formation zieht mit dir weiter

Orientierung an wechselnden Nachbarpaaren

In einer fortschreitenden Reihe bestimmt die nächste Begegnung deinen Anschluss. Dein ursprünglicher Platz ist weniger wichtig als die Richtung entlang der Reihe. Die Herausforderung liegt darin, nach dem Abschluss einer kleinen Gruppe bereits die nächste zu erkennen.

Häufige Fragen

  1. Für die hier betrachtete Föhrer Vierpaarfassung brauchst du vier Paare. Sie bilden eine geschlossene Aufstellung mit gegenüberstehenden Paaren. Das ist eine Angabe zu dieser Fassung, keine allgemeine Besetzungsregel für sämtliche Tänze, die unter Kontra oder Kontratanz geführt werden.