Burlesque hat eine Geschichte des Übertreibens
Der Begriff Burlesque bezeichnete zunächst komische Verzerrungen und Parodien: Erhabenes wurde alltäglich, Alltägliches übertrieben bedeutend. Im 19. Jahrhundert gehörten solche Verfahren zu europäischen und amerikanischen Bühnenunterhaltungen. Im amerikanischen Unterhaltungstheater entwickelten sich später Programme mit komischen Nummern, Tanz und zunehmend Striptease. Diese Geschichte erklärt, warum Burlesque heute sowohl mit Humor als auch mit inszenierter Enthüllung verbunden wird.
Was heute als klassische Burlesque gezeigt wird, greift häufig glamouröse Kostüme, musikalische Akzente und das verzögerte Sichtbarwerden auf. Neo Burlesque, dessen Wiederbelebung besonders mit den 1990er-Jahren verbunden ist, erweitert dieses Vokabular etwa um groteske Figuren, Popkultur, politische Satire oder bewusst gebrochene Schönheitsbilder. Die Grenzen zwischen den Formen bleiben durchlässig.
Burlesque ist deshalb kein festes Schrittsystem wie ein Gesellschaftstanz. Eine Nummer kann viel Tanz enthalten oder vor allem aus Gesten und Spiel bestehen. Striptease bezeichnet das Entkleiden als Handlung; Burlesque bezeichnet einen weiteren szenischen Rahmen, in dem diese Handlung vorkommen kann. Auch Cabaret und Drag überschneiden sich damit, sind aber keine Synonyme. Die Unterschiede zu Pole Dance und Heels Dance liegen vor allem im Trainingsschwerpunkt: Hier steht die gestaltete Szene im Vordergrund.




