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Tanzgeschichte5 Minuten

Was der Metzgertanz Nürnberg bedeutete

By Mary De LucaUpdated

Kurz gesagt
  • Der Kettentanz der Metzger in Nürnberg ist erstmals 1397 bezeugt, nicht nachweislich damals entstanden.
  • Die Tänzer bildeten eine lange Menschenkette, weshalb die gemeinsame Formation für die Einordnung entscheidend ist.
  • Nach der Überlieferung erhielten die Metzger das Fastnachtsprivileg als Lohn für ihre Treue zum Rat.
  • Die Bezeichnungen Metzgertanz, Kettentanz und Zämertanz beziehen sich hier auf denselben historischen Brauch.

Ein alter Tanz kann zugleich Bewegung, öffentlicher Auftritt und eine Erzählung über Zugehörigkeit sein. Gerade deshalb lohnt es sich, nicht jede Aussage über seine Vergangenheit als gleich sicheren Beleg zu lesen.

DefinitionRatsprivileg

Ratsprivileg bezeichnet ein besonderes Recht, das der städtische Rat einer Person oder Gruppe gewährt. Beim Metzgertanz betrifft die überlieferte Erzählung das Recht der Metzger, zur Fastnacht ihren Tanz aufzuführen.

Die Menschenkette beschreibt die Form des Tanzes

Beim Metzgertanz in Nürnberg gehören drei Bezeichnungen zusammen: Metzgertanz benennt die beteiligte Berufsgruppe, Kettentanz beschreibt die Formation, und Zämertanz ist der überlieferte weitere Name dieses Brauchs. Die Tänzer bildeten eine lange Menschenkette. Damit ist zunächst eine räumliche Ordnung gemeint, keine vollständig bekannte Choreografie.

Um dir das vorzustellen, ist die Verbindung der Beteiligten wichtiger als ein einzelner besonders auffälliger Schritt. In einer verbundenen Reihe beeinflusst eine Richtungsänderung auch die Nachbarn. Abstände und Bewegung müssen zusammenpassen, damit die Formation als Ganzes erkennbar bleibt. Das erklärt allgemein, weshalb ein Kettentanz anders organisiert ist als ein Solo oder ein Tanz einzelner Paare. Es belegt jedoch keine konkrete Nürnberger Figur.

Aus dem Wort Kettentanz lassen sich weder eine bestimmte Handfassung noch Schrittzahl und Tempo sicher ableiten. Eine Menschenkette muss auch nicht ständig einen geschlossenen Kreis bilden. Wer heute eine Gruppenchoreografie mit klaren Formationen entwirft, arbeitet ebenfalls mit räumlichem Zusammenhang. Dieser Vergleich macht die Tanzidee verständlich, ohne eine moderne Gestaltung zur historischen Vorlage zu erklären.

Eine Probe braucht Bewegungsnotizen; eine historische Erzählung kann dagegen ohne genaue Schrittbeschreibung weitergegeben werden.
Eine Probe braucht Bewegungsnotizen; eine historische Erzählung kann dagegen ohne genaue Schrittbeschreibung weitergegeben werden.

Der Erstbeleg ist kein Gründungsdatum

Der Kettentanz der Nürnberger Metzger ist erstmals 1397 bezeugt. Dieses Datum sagt: Für diesen Zeitpunkt ist das Vorkommen des Tanzes belegt. Es sagt nicht automatisch, dass der Brauch damals erfunden wurde oder erstmals stattfand. Deshalb ist „erstmals bezeugt“ genauer als „gegründet“ oder „seitdem unverändert getanzt“.

Auch der Umfang einer Aussage zählt. Ein Beleg für einen Tanz ist noch keine Anleitung, ihn nachzutanzen. Dazu bräuchtest du Angaben über Bewegungsfolgen, räumliche Wege, musikalische Begleitung und die Verbindung der Tänzer. Wie viel solcher Informationen eine Quelle tatsächlich enthält, muss getrennt von ihrem Datum betrachtet werden. Allein aus der Jahreszahl folgt keine Gewissheit über diese Details.

Für eine heutige Bearbeitung ist dieser Unterschied wichtig. Du kannst die Idee einer Menschenkette sichtbar machen und trotzdem offenlassen, wie die historischen Schritte aussahen. Eine nachvollziehbare Beschreibung trennt deshalb den belegten Ausgangspunkt von den ergänzten Entscheidungen. Schon bei heutigen Proben zeigen Notizen zu Tanzschritten und Zählzeiten, wie viele Einzelheiten nötig sind, damit eine andere Gruppe dieselbe Folge wiederholen kann. Eine bloße Nennung des Tanzes leistet etwas anderes: Sie bezeugt sein Vorkommen.

Beleg und Deutung auseinanderhalten

So ja

  • 1397 als Datum des ersten Belegs nennen
  • Die Menschenkette als Tanzformation beschreiben
  • Das Ratsprivileg als Überlieferung kennzeichnen
  • Eine neue Bühnenfassung als Bearbeitung benennen

So nicht

  • 1397 ohne weiteren Beleg zum Gründungsjahr machen
  • Aus der Menschenkette eine genaue Schrittfolge ableiten
  • Die Privilegienerzählung als gesicherten Ablauf ausgeben
  • Eine neue Bühnenfassung als Original von damals zeigen

Ein Datum belegt das Vorkommen eines Tanzes, aber noch nicht seine vollständige Choreografie.

udansa-Redaktion

Fastnacht und Ratsprivileg erklären den Anlass

Nach der Überlieferung erhielten die Metzger das Privileg für ihren Zämertanz zur Fastnacht als Lohn für ihre Treue zum Rat. Diese Erzählung verbindet den öffentlichen Tanz mit einem Verhältnis zwischen Berufsgruppe und städtischer Obrigkeit. Die Fastnacht bezeichnet dabei den Anlass; das Privileg erklärt, warum gerade den Metzgern dieses besondere Recht zugeschrieben wurde.

Damit bekommt die gemeinsame Formation eine weitere Bedeutungsebene. Eine Gruppe, die zusammen auftritt, ist als Gruppe wahrnehmbar. Im Zusammenhang mit der Privilegienerzählung lässt sich der Tanz daher als Ausdruck gemeinsamer Zugehörigkeit verstehen. Das ist eine Einordnung der überlieferten Verbindung, kein Beweis dafür, was jeder einzelne Tänzer dabei dachte.

Die Formulierung „nach der Überlieferung“ gehört zur Aussage und darf nicht einfach verschwinden. Die Erzählung liefert einen Sinnzusammenhang aus Treue, Belohnung und besonderem Recht. Aus ihr allein folgt weder ein genauer Ablauf der Privilegienvergabe noch dessen Datum. Die maskierte Begleitung wird außerdem als möglicher Ausgangspunkt des Schembartlaufs eingeordnet, ist aber vom Tanz der Metzger zu unterscheiden.

Wenn du Nürnbergs Tanzgeschichte verstehen möchtest, helfen diese drei getrennten Ebenen: die Menschenkette als Form, die Fastnacht als Anlass und das Ratsprivileg als überlieferte Begründung.

Zwei Zugänge zu demselben Brauch

Bewegung

Den Zusammenhang der Körper sehen

Die Formation macht gemeinsames Tanzen sichtbar

Als Tanzform lenkt die Menschenkette deinen Blick auf Abstände, Wege und gemeinsame Bewegung. Eine anschauliche Darstellung kann diese räumliche Idee vermitteln, ohne damit eine bestimmte historische Schrittfolge zu beweisen.

Bedeutung

Die Stellung der Metzger verstehen

Die Erzählung erklärt ein besonderes Recht

Als Überlieferung lenkt der Brauch deinen Blick auf das Verhältnis zwischen Metzgern und Rat. Die Geschichte von Treue und Belohnung erklärt, weshalb dieser Tanz als Zeichen einer besonderen Stellung verstanden wurde.

Häufige Fragen

  1. Zämertanz ist eine weitere überlieferte Bezeichnung für den hier behandelten Tanz der Nürnberger Metzger. Eine gesicherte Herleitung des Wortes lässt sich aus den vorliegenden Angaben nicht ableiten. Du kannst den Namen deshalb zuordnen, ohne daraus eine bestimmte Handfassung, Musik oder Schrittfolge herauszulesen.

Tanzkurse in Nürnberg

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