Zum Hauptinhalt springen
Tanzkultur5 Minuten

Was der Walzer als Kulturerbe für Wien bedeutet

Von Bernhard De LucaStand

Kurz gesagt
  • Der Wiener Walzer wurde 2017 als gespielte, getanzte und gesungene Praxis in Österreichs Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.
  • Für Wien würdigt die Aufnahme eine kulturelle Tradition, die Musik, Bewegung und Gesang miteinander verbindet.
  • Die nationale Aufnahme ist keine Auszeichnung Wiens als UNESCO-Welterbestätte und kein Eintrag in eine internationale UNESCO-Liste.
  • Weitergabe bedeutet, musikalisches und tänzerisches Können durch gemeinsames Ausüben, Unterricht und Proben an andere Menschen zu vermitteln.

Eine Partitur bleibt lesbar, auch wenn niemand sie spielt. Bei einer Tanztradition reicht das nicht: Sie braucht Menschen, die ihren Klang und ihre Bewegung wieder aufnehmen und anderen zugänglich machen.

DefinitionImmaterielles Kulturerbe

Immaterielles Kulturerbe bezeichnet überlieferte Praktiken, Ausdrucksformen sowie Wissen und Können, die Gemeinschaften als Teil ihres kulturellen Erbes verstehen und weitergeben.

Die Aufnahme würdigt eine Praxis, keinen Ort

Im November 2017 wurde der Wiener Walzer, gespielt, getanzt und gesungen, in das österreichische Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Für Wien ist daran wichtig, dass die Anerkennung nicht auf eine berühmte Melodie oder einen repräsentativen Saal beschränkt ist. Gemeint ist ein Zusammenhang von Können und kultureller Praxis.

Das österreichische Verzeichnis ist eine nationale Liste im Rahmen der UNESCO-Konvention zum immateriellen Kulturerbe. Die österreichische UNESCO-Kommission führt dieses Verzeichnis. Daraus wird weder eine UNESCO-Welterbestätte noch automatisch ein Eintrag auf einer internationalen UNESCO-Liste. Beim Welterbe geht es um Stätten, beim immateriellen Kulturerbe um Praktiken und das Wissen der Menschen, die sie ausüben.

Die drei Wörter im Eintrag sind deshalb keine beiläufige Ergänzung. Gespielt verweist auf musikalische Ausführung, getanzt auf verkörpertes Wissen im Paar, gesungen auf die stimmliche Gestaltung. Nicht jede Aufführung muss alle drei Formen vereinen. Der Eintrag macht vielmehr deutlich, dass der Wiener Walzer nicht allein mit Tanzschritten beschrieben werden kann. Seine Anerkennung ist außerdem kein Gütesiegel für einen bestimmten Kurs und keine Bewertung einzelner Tänzerinnen und Tänzer.

Eine Aufnahme kann Noten bewahren, aber nicht jede Entscheidung hörbar machen, die beim gemeinsamen Musizieren entsteht.
Eine Aufnahme kann Noten bewahren, aber nicht jede Entscheidung hörbar machen, die beim gemeinsamen Musizieren entsteht.

Wiens Überlieferung verbindet Klang und Gesellschaft

Die Aufnahme lässt sich aus der dokumentierten Wiener Tradition verstehen, ohne daraus eine vollständige Walzergeschichte zu machen. Während des Wiener Kongresses 1814/15 unterhielten Gastgeber die angereisten Delegierten mit Bällen. Dieses Beispiel zeigt einen gesellschaftlichen Rahmen: Musik wurde nicht nur angehört, sondern für gemeinsame Bewegung und Begegnung gebraucht.

Joseph Lanner und die Familie Strauss prägten das tanzbare Walzerrepertoire und dirigierten ihre Orchester selbst. Komponieren und Ausführen lagen damit eng beieinander. Die Noten waren eine Grundlage; wie daraus ein Tanzanlass wurde, hing auch vom gemeinsamen Musizieren ab. Johann Strauss Sohns 1867 uraufgeführtes Werk „An der schönen blauen Donau“ ist ein konkretes Beispiel dieses überlieferten Repertoires.

Ältere Beschreibungen der Wiener Ballsaison nennen über 300 Ballnächte. Diese Zahl veranschaulicht den dokumentierten Umfang gesellschaftlicher Gelegenheiten für Musik und Tanz, ist aber keine aktuelle Veranstaltungszählung. Für das Kulturerbe ist daran die wiederholte Ausübung bedeutsam: Können wird gebraucht, erlebt und weitergetragen. Einzelne Ballprogramme und ihre Rituale sind ein anderes Thema. Einen konkreten Lernzusammenhang zeigt etwa die gemeinsame tänzerische Vorbereitung in Wien, ohne dass sie die ganze Walzertradition abbildet.

Woran du lebendige Weitergabe erkennst

So ja

  • Spielweise und musikalische Phrasen hörbar erklären
  • Tanzwissen mit gemeinsamen Übungssituationen verbinden
  • Auch die gesungene Form als Teil der Praxis einordnen

So nicht

  • Nur eine Partitur zeigen und damit alles erklärt nennen
  • Eine Figurenliste mit vollständiger Weitergabe gleichsetzen
  • Den Walzer ausschließlich als Instrumentalmusik darstellen

Eine Tradition bleibt zugänglich, wenn Menschen nicht nur ihr Ergebnis zeigen, sondern auch ihr Können mit anderen teilen.

udansa-Redaktion

Weitergabe braucht hörbare und körperliche Erfahrung

In der dokumentierten Wiener Tradition übernahmen Orchester, Chöre und Tanzschulen die Weitergabe von Spielweise und Tanz. Diese Aufgaben ergänzen einander. Ein Orchester vermittelt, wie eine Phrase gestaltet wird; ein Chor verbindet musikalischen Ausdruck mit Atem und Text. Im Tanzunterricht wird erfahrbar, wie zwei Menschen Bewegung miteinander abstimmen. Das sind unterschiedliche Zugänge zu derselben Praxis.

In einer Probe kann eine musikalische Passage zunächst vorgespielt und anschließend gemeinsam ausgeführt werden. In einer Tanzstunde kann ein Paar merken, dass korrekt erinnerte Schritte noch keinen gemeinsamen Bewegungsfluss ergeben. Die Erklärung einer blockierten Wiener Walzer Drehung zeigt, wie genau solches körperliches Wissen beschrieben werden kann. Die technische Lösung allein erklärt allerdings noch nicht den kulturellen Zusammenhang.

Weitergabe bewahrt Können, indem Menschen es benutzen und verständlich machen. Dafür müssen Lernende nicht schon perfekt tanzen. Auch ein neu zusammengefundenes Paar beteiligt sich am Lernen einer überlieferten Praxis. Wenn du gerade zugezogen bist, findest du im Ratgeber zum Kennenlernen beim Tanzen in Wien einen Zugang zur gemeinsamen Erfahrung. Die Anerkennung nimmt dir das Lernen nicht ab, sie macht seinen kulturellen Wert sichtbar.

Zwei Formen des kulturellen Gedächtnisses

Dokumentieren

Festhalten, was sonst verloren geht

Noten, Aufnahmen und Beschreibungen

Eine Aufnahme bewahrt eine bestimmte Interpretation, eine Beschreibung hält Begriffe und Zusammenhänge fest. Damit kannst du auch später nachvollziehen, wie Menschen den Walzer verstanden haben. Dokumentation macht Unterschiede zwischen Ausführungen sichtbar, ohne sie alle auf eine Fassung zu reduzieren.

Ausüben

Erfahrung miteinander teilen

Musizieren, singen und tanzen

In einer gemeinsamen Probe wird hörbar und spürbar, wie Menschen aufeinander reagieren. Du erlebst Entscheidungen über Einsatz, Ausdruck und Bewegungsfluss unmittelbar. Dabei entstehen neue Erfahrungen mit überliefertem Können, die eine Aufnahme allein nicht vermitteln kann.

Häufige Fragen

  1. Der Wiener Walzer wurde im November 2017 in das österreichische Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Der Eintrag umfasst ausdrücklich die gespielte, getanzte und gesungene Praxis. Das historische Aufnahmedatum sagt nichts über aktuelle Kursangebote oder Veranstaltungstermine in Wien aus.

Standard-Kurse in Wien

Du kannst die tänzerische Seite des Wiener Walzers im Standard-Unterricht kennenlernen.

Walzertradition wird durch Menschen weitergetragen

Auf udansa findest du Tanzpartner in Wien, mit denen du den Wiener Walzer üben und musikalische Erfahrungen teilen kannst.

Walzertradition wird durch Menschen weitergetragen