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Zeitgenössischer Tanz5 Minuten

Deine Tanz-Audition in Wien: Improvisieren unter Druck

Von Bernhard De LucaStand

Kurz gesagt
  • Bei einer improvisatorischen Tanzaudition in Wien übersetzt du vorgegebene Aufgaben in eigene, nachvollziehbare Bewegungsentscheidungen.
  • Eine erkennbare Antwort auf die Aufgabe ist hilfreicher als möglichst viele schwierige Bewegungen.
  • Vorbereitung bedeutet, wechselnde Vorgaben und Beobachtung zu üben, statt eine fertige Folge abzusichern.
  • ImPulsTanz und Tanzquartier bilden einen kulturellen Bezug, aber daraus lassen sich keine aktuellen Audition-Anforderungen ableiten.

Unter Beobachtung wirkt eine einfache Ansage plötzlich kompliziert. Wenn dir dann nur deine vertrauten Lieblingsbewegungen einfallen, brauchst du vor allem Erfahrung darin, eine Einschränkung als Ausgangspunkt für eigene Entscheidungen zu nehmen.

DefinitionScore

Ein Score ist eine vereinbarte Aufgabenstellung, die eine Improvisation durch Regeln, Bilder oder Bedingungen strukturiert. Er legt einen Rahmen fest, ohne jede Bewegung vorzuschreiben.

Eine Aufgabe gibt deiner Improvisation eine Richtung

Bei einer Tanzaudition in Wien kann eine improvisatorische Aufgabe zum Beispiel lauten: Lass den Ellbogen beginnen, während die Füße erst später reagieren. Das ist ein Trainingsbeispiel, keine behauptete Prüfungsaufgabe eines bestimmten Hauses. Du musst daraus keine spektakuläre Folge entwickeln. Interessant wird, ob der Ellbogen wirklich einen Impuls auslöst und wie dieser durch deinen Körper weiterwandert.

Ein Score kann Körperteile, Raumwege, Tempo oder Beziehungen betreffen. Die Einschränkung macht deine Entscheidungen lesbar: Du könntest den Impuls klein halten, seine Richtung wechseln oder ihn durch eine Pause unterbrechen. Die Vorgabe bleibt dabei erkennbar, auch wenn deine Antwort offen ist. Bewegungsumfang und Beweglichkeit sind unterschiedliche Dinge; der Beitrag über Beweglichkeit durch Tanzen ordnet diesen Unterschied für dein Training ein.

Der lokale Bezug liegt im zeitgenössischen Tanz: ImPulsTanz begann 1984 als Internationale Tanzwochen. Das Tanzquartier Wien eröffnete 2001 als Haus für zeitgenössischen Tanz und Performance. Diese Geschichte erklärt den kulturellen Rahmen, liefert aber weder aktuelle Ausschreibungen noch einen verbindlichen Aufgabenkanon für deine Bewerbung. Entscheidend bleibt die jeweilige Aufgabenstellung, nicht eine vermutete Wiener Stilnorm.

Auch beim Zuschauen kannst du erkennen, ob eine Bewegungsentscheidung die Vorgabe tatsächlich aufgreift.
Auch beim Zuschauen kannst du erkennen, ob eine Bewegungsentscheidung die Vorgabe tatsächlich aufgreift.

Unter Druck wird Aufmerksamkeit zur knappen Ressource

Wenn du gleichzeitig tanzt, eine neue Ansage hörst und beobachtet wirst, konkurrieren mehrere Dinge um deine Aufmerksamkeit. Du möchtest die Aufgabe verstehen, deinen Körper organisieren und einen guten Eindruck machen. Dann liegt es nahe, vertraute Drehungen oder große Bewegungen abzurufen. Sie geben Sicherheit, können aber die eigentliche Vorgabe verdecken.

Eine nützliche Trainingssituation verändert deshalb nicht alles gleichzeitig. Du beginnst etwa mit der Qualität schwer und erhältst später den Impuls federnd. Die Frage ist nicht, wie viele Bewegungen du kennst. Du untersuchst, wie sich derselbe Weg verändert: Wird dein Gewicht länger abgegeben? Entsteht ein anderer Rhythmus? Wird eine Pause kürzer? Das unterscheidet Reaktionsfähigkeit vom bloßen Wechseln des Schrittrepertoires.

Musik kann die Aufmerksamkeit zusätzlich binden. Ohne Musik hörst du Atem und Fußkontakte; mit Musik kannst du dieselbe Regel zu einem äußeren Rhythmus in Beziehung setzen. Beides ergibt sinnvolle Übebedingungen. Beobachtung kommt als weitere Bedingung hinzu, nicht als ständiges Urteil über deinen Wert. Ein Stocken lässt sich als Pause bearbeiten, solange du zur Aufgabe zurückfindest. Dadurch bleibt dein Durchlauf eine Untersuchung statt einer hektischen Suche nach dem vermeintlich richtigen Effekt.

Woran eine Aufgabe erkennbar bearbeitet wird

So ja

  • Den genannten Körperteil den Bewegungsbeginn auslösen lassen
  • Bei neuer Ansage die Bewegungsqualität sichtbar verändern
  • Eine Pause bewusst innerhalb der Vorgabe nutzen
  • Bei Gruppenaufgaben Abstand und Blickrichtung mitgestalten

So nicht

  • Den Körperteil dekorativ zur Lieblingsfolge hinzufügen
  • Nach neuer Ansage unverändert weiterlaufen
  • Bei Unsicherheit hektisch Zusatzbewegungen einbauen
  • Andere als Hindernisse auf dem eigenen Weg behandeln

Eine kleine Bewegung kann eine klare Antwort sein, wenn ihr Beginn, ihre Richtung und ihre Veränderung aus der Aufgabe entstehen.

udansa-Redaktion für Tanztraining

Deine Reaktion liefert den nächsten Trainingsimpuls

Nach einer improvisatorischen Aufgabe ist die hilfreichste Rückschau konkret: An welcher Stelle war meine Entscheidung sichtbar, und wann verlor ich die Regel? Diese Unterscheidung macht aus dem Durchlauf Material für weiteres Training. Wenn du bei jedem Richtungswechsel das vorgegebene Körperteil vergisst, ist genau dieser Übergang dein Thema. Dafür brauchst du keine fertige Bühnenfolge.

In einer Gruppenaufgabe kommt die Wahrnehmung anderer hinzu. Abstand, Blickrichtung und gemeinsames Timing können Beziehungen entstehen lassen, auch ohne Berührung. Ein vereinbarter Kontakt verlangt Einverständnis; riskante Hebungen ersetzen keine aufmerksame Zusammenarbeit. Bewegliche Trainingskleidung unterstützt dabei freie Gelenkbewegungen und sicheren Bodenkontakt, sollte aber nicht unter Hände oder Füße geraten.

Für Unterricht mit mehreren Einheiten ist ein nachvollziehbarer Aufbau hilfreicher als bloß möglichst viel Stoff. Der Beitrag zum Aufbau eines Tanz-Intensivkurses erklärt diesen Unterschied. Bei deiner Audition-Vorbereitung bedeutet das: Erfahrungen mit Aufgabenwechseln müssen sich miteinander verbinden lassen. Eine Zusage lässt sich daraus nicht ableiten, denn Auswahl hängt auch vom jeweiligen Vorhaben ab. Du kannst aber lernen, deine Entscheidungen präziser wahrzunehmen und unter Beobachtung beweglich auf eine neue Bedingung zu antworten.

Zwei Bedingungen, zwei Erfahrungen

Allein

Die eigene Entscheidung hören

Ein Score ohne äußere Rückmeldung

Allein bemerkst du, wann du eine Vorgabe verlässt und auf vertraute Muster zurückgreifst. Du kannst dieselbe Aufgabe mit verschiedenen Ausgangspositionen bearbeiten und Unterschiede in Gewicht, Richtung und Rhythmus wahrnehmen.

Beobachtet

Die Entscheidung sichtbar machen

Ein Score mit Aufmerksamkeit von außen

Vor anderen spürst du zusätzlich den Wunsch, überzeugend zu wirken. Du erprobst, eine Idee trotzdem weiterzuverfolgen und eine neue Ansage aufzunehmen, ohne jede Bewegung an den Gesichtern der Beobachtenden zu messen.

Häufige Fragen

  1. Für improvisatorische Aufgaben eignet sich bewegliche Trainingskleidung, die Bodenkontakt und freie Gelenkbewegungen zulässt. Lose Lagen sollten nicht über Hände oder Füße rutschen. Ob du barfuß oder mit Schuhen tanzt, richtet sich nach den veröffentlichten Anforderungen; ein bestimmter Look macht deine Aufgabenbearbeitung nicht überzeugender.

Kurse für Dance Improvisation in Wien

Du kannst offene Bewegungsaufgaben im Unterricht erproben, bevor du sie unter Beobachtung bearbeitest.

Trainiere mit wechselnden Impulsen

Auf udansa findest du Kurse in Wien und Menschen, mit denen du offene Bewegungsaufgaben üben kannst. Gemeinsam lässt sich auch die Erfahrung erproben, beim Tanzen beobachtet zu werden.

Trainiere mit wechselnden Impulsen