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Bühnengeschichte5 Minuten

Wie Dada und Tanz in Zürich aufeinandertrafen

Von Mary De LucaStand

Kurz gesagt
  • Suzanne Perrottet wirkte 1916 und 1917 an Dada-Abenden im Cabaret Voltaire in Zürich mit.
  • Perrottet gehörte zu den wichtigen Mitarbeiterinnen Rudolf von Labans im Zürcher und Asconeser Umfeld.
  • Ihre Mitwirkung verband das Umfeld der Bewegungskunst mit den Dada-Abenden der Zürcher Avantgarde.
  • Diese Begegnung bezeichnet einen künstlerischen Zusammenhang, keinen Gesellschaftstanz mit einer festgelegten Schrittfolge.

Eine Tänzerin verändert einen Abend schon dadurch, dass sie den Körper als Ausdrucksmittel mitbringt. Für dich als Publikum wird dadurch interessant, was eine Geste sagen kann, bevor überhaupt ein verständlicher Satz fällt.

DefinitionAvantgarde

Avantgarde bezeichnet künstlerische Positionen, die vertraute Ausdrucksformen infrage stellen und andere Möglichkeiten erproben. Auf der Bühne kann das auch die Erwartung betreffen, was überhaupt als Tanz zählt.

Perrottet verband Bewegungskunst und Dada-Abende

Die Verbindung zwischen Dada und Tanz in Zürich lässt sich an einer konkreten Beteiligung festmachen: Suzanne Perrottet wirkte 1916 und 1917 an Dada-Abenden im Cabaret Voltaire mit. Zugleich gehörte sie zu den wichtigen Mitarbeiterinnen Rudolf von Labans im Umfeld von Zürich und Ascona. Damit begegnen sich hier nicht bloß zwei Begriffe aus der Kunstgeschichte, sondern künstlerische Arbeitszusammenhänge über eine Person.

Perrottets Mitwirkung macht den Tanz in diesem Zusammenhang als beteiligte Kunst sichtbar. Eine Tänzerin bringt Erfahrung mit körperlichem Ausdruck, Bewegung und deren Wirkung mit. Das ist eine andere Perspektive, als einen Abend ausschließlich über Texte oder gesprochene Beiträge zu betrachten. Für die Einordnung zählt zunächst diese Beteiligung, nicht die Vorstellung einer bestimmten spektakulären Nummer.

Auch der Veranstaltungsbegriff hilft: Ein künstlerischer Abend ist nicht automatisch ein Abend, an dem das Publikum miteinander tanzt. Den Unterschied zur gemeinsamen Tanzfläche erläutert der Beitrag über Social Dance in Zürich. Bei Perrottets Dada-Mitwirkung steht dagegen die Verbindung von Bewegungskunst und künstlerischer Veranstaltung im Mittelpunkt. Ihre spätere Schularbeit ist ein anderer Teil ihrer Geschichte.

Auch am Rand entsteht Bedeutung: Die Nähe des Publikums verändert, wie deutlich eine kleine Geste wirkt.
Auch am Rand entsteht Bedeutung: Die Nähe des Publikums verändert, wie deutlich eine kleine Geste wirkt.

Ungewohnte Bewegung ist nicht einfach Beliebigkeit

Wer bei Tanz an Grundschritt, Takt und eine sauber beendete Drehung denkt, erwartet bestimmte Zusammenhänge. Experimentelle Bühnenbewegung kann solche Erwartungen aufbrechen. Das bedeutet aber nicht, dass jede Bewegung austauschbar wäre: Ein plötzliches Anhalten wirkt anders als ein langsames Auslaufen, eine abgewandte Schulter anders als ein direkter Blick.

Ein heutiges Gedankenbeispiel macht das greifbar: Jemand hebt den Arm, als wolle er eine andere Person begrüßen, stoppt jedoch mitten in der Bewegung. Die angefangene Geste bleibt erkennbar, ihre Bedeutung wird unsicher. Kommt dazu ein gesprochenes Wort, kann es die Geste bestätigen oder ihr widersprechen. Dieses Beispiel veranschaulicht das Zusammenspiel von Körper und Sprache; es beschreibt keinen überlieferten Auftritt Perrottets.

So wird auch verständlich, weshalb tänzerischer Ausdruck nicht immer eine eindeutige Handlung erzählen muss. Du kannst Spannung, Zögern oder Distanz wahrnehmen, ohne eine Figur beim Namen zu kennen. Im Beitrag über Gefühle durch Tanzen ausdrücken geht es um körperlichen Ausdruck aus heutiger Praxis. Für den historischen Zusammenhang ist wichtig: Bewegung kann selbst Bedeutung tragen und muss einen Text nicht lediglich illustrieren.

Die Begegnung richtig einordnen

Stimmt

  • Perrottets Mitwirkung als Verbindung zweier künstlerischer Umfelder lesen
  • Gesten und Pausen als mögliche Ausdrucksmittel wahrnehmen
  • Heutige Bewegungsbeispiele als Veranschaulichung verstehen

Mythos

  • Aus Perrottets Mitwirkung einen festen Dada-Tanzstil ableiten
  • Nur vollständige Schrittfolgen als Tanz gelten lassen
  • Heutige Bewegungsbeispiele für historische Rekonstruktionen halten

Eine Pause ist auf der Bühne nicht automatisch leer, sie kann eine Bewegung erst als Entscheidung sichtbar machen.

udansa-Redaktion

Die Begegnung erweitert deinen Blick auf Bühnenkunst

Perrottets Mitwirkung erlaubt dir, Tanzgeschichte nicht nur als Abfolge von Stilen und Schulen zu betrachten. Hier wird eine andere Beziehung sichtbar: Eine Künstlerin arbeitet in einem Umfeld, das sich nicht auf Tanz beschränkt. Dadurch gehören ihre Dada-Abende sowohl zum Zusammenhang der Bewegungskunst als auch zur Geschichte der Zürcher Avantgarde.

Daraus folgt allerdings keine einfache Abstammungslinie bis zu jeder heutigen experimentellen Aufführung. Ähnliche Mittel können in unterschiedlichen Zusammenhängen vorkommen. Eine unterbrochene Geste auf einer heutigen Bühne beweist weder einen direkten Einfluss Perrottets noch eine Zugehörigkeit zu Dada. Ein Vergleich hilft beim Verstehen, ersetzt aber keinen historischen Zusammenhang.

Für deinen nächsten Aufführungsbesuch ist diese Unterscheidung nützlich. Du kannst zuerst wahrnehmen, was tatsächlich geschieht: Nähert sich jemand, weicht jemand zurück, bleibt eine Bewegung unvollendet? Erst danach kommt die Deutung. So musst du nicht jedes ungewohnte Bild sofort entschlüsseln. Perrottets Beteiligung gibt dir einen konkreten historischen Bezugspunkt für diese Offenheit, ohne dass du daraus einen festen Stilnamen oder eine allgemeingültige Erklärung für Bühnenkunst machen musst.

Zwei Zugänge zu derselben Begegnung

Geschichte

Die Beteiligung einer Künstlerin

Person und Zusammenhang im Vordergrund

Du kannst Perrottets Mitwirkung als Teil der Zürcher Tanzgeschichte lesen. Entscheidend ist dann, dass eine Mitarbeiterin aus Labans Umfeld auch an Dada-Abenden beteiligt war: Die künstlerischen Bereiche hatten eine konkrete personelle Verbindung.

Wahrnehmung

Der Körper als Ausdrucksmittel

Dein Blick auf das Bühnengeschehen

Du kannst die Begegnung auch zum Anlass nehmen, Bewegung genauer anzusehen. Entscheidend ist dann, wie Richtung, Spannung oder Stillstand deine Aufmerksamkeit lenken: Du brauchst dafür keine Schrittbezeichnungen und musst nicht sofort eine Geschichte erkennen.

Häufige Fragen

  1. Ja, Suzanne Perrottet gehörte zu Rudolf von Labans wichtigen Mitarbeiterinnen im Umfeld von Zürich und Ascona. Diese Verbindung erklärt, warum ihre Beteiligung an Dada-Abenden für die Tanzgeschichte interessant ist: Sie brachte einen Bezug zur Bewegungskunst in diesen künstlerischen Zusammenhang mit.

Tanzimprovisation in Zürich ausprobieren

Mit Tanzimprovisation kannst du selbst erleben, wie Gesten, Pausen und Raumwege eine Bewegungsfolge verändern.

Bewegung gemeinsam erkunden

Auf udansa findest du Kontakte in Zürich, mit denen du Tanzimprovisation ausprobieren oder Eindrücke von einer Aufführung besprechen kannst.

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