Vom Dienstboten-Tanzfest zum Münchner Kulturgut
Der Kocherlball in München verwandelt den Biergarten rund um den Chinesischen Turm im Englischen Garten in eine der lebendigsten Tanzflächen der Stadt. Wo sonst Ausflügler verweilen, finden sich jedes Jahr an einem Sonntag im Juli Tausende zusammen, um traditionelle bairische Rundtänze und Figurentänze zu feiern. Das Besondere daran ist die frühe Stunde: Bereits im Morgengrauen setzt die Blasmusik ein. Der Eintritt zu diesem Freiluftfest ist frei, und getanzt wird direkt zwischen den Holzbänken und Kastanienbäumen auf dem Kiesboden.
Die historische Wurzel des Balls reicht weit zurück. Um 1880 nutzte das Münchner Dienstpersonal, darunter Köchinnen, Hausmädchen, Kutscher und Gärtner, den frühen Sonntagmorgen für ein eigenes Tanzvergnügen. Sie mussten tanzen, bevor die Herrschaften erwachten und ihr Dienst anfing. Im Jahr 1904 untersagte die Obrigkeit die morgendlichen Zusammenkünfte aus Gründen der Sittlichkeit. Erst im Rahmen der 200-Jahr-Feier des Englischen Gartens im Jahr 1989 ließ man das Tanzfest wieder aufleben. Seither hat sich die Tradition fest im Münchner Sommer verankert und zieht erfahrene Tänzer ebenso an wie neugierige Einsteiger.







